Friedlicher Widerstand mit Repression begegnet
Gestern sind in dem Dorf Sarra nahe der Stadt Nablus vier Menschenrechts-Aktivisten verhaftet worden, während sie einen israelischen Militär-Bulldozer an der Wiederaufrichtung einer Straßensperre zwischen dem Dorf und der Stadt Nablus zu hindern versuchten. Die internationalen Aktivisten sind aus Deutschland, den Vereinigten Staaten, dem Vereinigten Königreich sowie Kanada. Während der kurz zuvor stattfindenden Demonstration wurden auch einige israelische Aktivisten festgenommen. Die Aktivisten haben die Nacht in der Polizeistation der Siedlung Ariel verbracht und warten derzeit ihre Vorführung vor den Untersuchungsrichter ab. Die beiden weiblichen Aktivistinnen, eine Engländerin und eine Kanadierin, wurden gezwungen, die Nacht mit Handschellen gefesselt und an den Füssen zusammengekettet im Vorraum der Polizeistation zu verbringen.
Die Demonstration wurde abgehalten nachdem die israelischen Behörden ihr Versprechen gebrochen hatten, die Straßenblockade auf Dauer zu entfernen. Diese Blockade verwandelt bereits seit Jahren die eigentlich nur zehn Minuten dauernde Fahrt nach Nablus in eine 45-minütige Reise, die nun der Großteil der Dorfbewohner täglich auf sich nehmen muss, um ihre Arbeitsstätten oder die Universität zu erreichen. Außerdem werden dadurch einige der Bewohner, die Land auf der anderen Seite der Sperre besitzen, daran gehindert, dieses mit ihren Traktoren zu erreichen.
Es existiert kein offensichtlicher Sinn und Zweck bei dieser Straßenblockade, wie bei den vielen Anderen der Fall, außer als ein alltägliches Hindernis für die Palästinenser. Israelische Soldaten waren letzten Samstag in das Dorf eingedrungen und zwangen einen palästinensischen Bauern, mit seinem Traktor die riesigen Zementblöcke wieder auf der Straße zu platzieren. Als die Einwohner anschließend die Sperre erneut entfernten, fielen Soldaten während der Nacht ins Dorf ein, um sich für den gewaltfreien Widerstand der Dorfbewohner zu rächen. Sie schossen Löcher in Wasservorratsbehälter und Türen, mischten Bewohner auf und verhörten diese.
Dieser Vorfall ereignete sich wenige Tage nachdem Verteidigungsminister Ehud Barak gegenüber der israelischen Tageszeitung Haaretz geäussert hatte, dass er plane, Straßensperren in der Westbank durch mobile Checkpoints zu ersetzen, um die Einschränkungen auf das tägliche Leben der Palästinenser zu erleichtern.
Die Straßenblockade in Sarra ist eine von Hunderten, die israelische Behörden errichtet haben, um jegliche Fortbewegung zwischen palästinensischen Gemeinden einzuschränken und zu kontrollieren. Laut der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem haben die Israelis 217 Erdhaufen errichtet, um den Zugang zu Dörfern oder Straßen zu blockieren, 86 Zäune entlang Fahrbahnen, 12 Gräben, welche das Passieren von Fahrzeugen verunmöglichen, sowie 93 abgeschlossene Tore an Eingängen zu Dörfern errichtet, wobei die Schlüssel natürlich von der israelischen Armee verwaltet werden. Diese Hemmnisse bestehen neben Hunderten von permanenten und „fliegenden“ Checkpoints, die die israelische Armee innerhalb der Westbank aufrecht erhält und damit die Bewegungsfreiheit der unter Besatzung leidenden palästinensischen Bevölkerung erheblich einschränkt.
Gemäß einem Bericht der Weltbank vom Mai ist die Bewegungsfreiheit und der Zugang für Palästinenser innerhalb der Westbank eher eine Ausnahme als die Norm… die Restriktionen, welche sich aus den Schließungen ergeben… schaffen einen solch hohen Grad an Unsicherheit und Ineffizienz, dass ein normaler Geschäftsbetrieb äußerst schwierig wird, und das Wachstum sowie die Investitionen, die notwendig für eine wirtschaftliche Wiederbelebung sind, verhindert werden.
Trotz Repressionen und Versuchen der Besatzungsmacht, jeglichen Widerstand zu ersticken, wollen die Bewohner von Sarra an ihrem neu entfachten Kampf um ihre Freiheit festhalten.































