Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video]
![Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video] qusin%20peace%20march Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video]](http://www.palsolidarity.org/main/wp-content/qusin%20peace%20march.jpg)
Am Samstag, dem 15. September schlossen sich internationale und israelische Friedensaktivisten palästinensischen Aktivisten und Dorfbewohnern des Dorfes Qusin an, um gegen das ihnen durch die israelische Armee auferlegte System der Kontrolle zu protestieren. Die Region hat in letzter Zeit einen Anstieg an Widerstandsaktivitäten zu verzeichnen, wie die mehrfachen Proteste gegen und Beseitigung von Straßenblockaden im angrenzenden Dorf Sarra.
Dort gibt es eine Strasse, welche diese beiden Dörfer und andere mit Nablus sowie mit der Hauptstrasse zwischen Nablus und Tulkarem verbindet. Diese wurde jedoch zur nur durch Israelis befahrbaren Strasse erklärt, was die eigentlich fünf minütige Fahrt nach Nablus zu einer fast einstündigen Reise macht. Dieser Umstand stellt eine tägliche Schikane dar für diejenigen, die zur Arbeit oder zur Schule fahren oder einfach bloß die Familie besuchen möchten.
Die Demonstranten versammelten sich im Dorf Qusin und marschierten der Straßenabsperrung entgegen, welche sie daran hindert, die erwähnte Strasse zu erreichen. Hier in Qusin finden wir die Blockade in Form einer gelben Schranke vor, welche mit Eisenketten geschlossen ist. An dieser Stelle erreichte der Protestzug sein Ziel. Die Einwohner und ihre Unterstützer sammelten sich hier, die nächste Viertelstunde folgten Protestgesänge, Rufe, Ansprachen, dann schließlich wurden die Ketten aufgebrochen und die Schranke geöffnet.
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Eine Weile lang wurde noch an dem gerade geöffneten Durchgang gefeiert, dann machten sich die Beteiligten auf den Rückweg ins Dorf. Doch bald tauchten israelische Soldaten aus der nahegelegenen Militärbasis auf, rannten der Menge hinterher und hinderten sie daran, friedlich in ihre Häuser im Dorf zurückzukehren. Die Soldaten begannen die versammelten Menschen anzugreifen und zu bedrohen, Demonstranten sowie Journalisten. Ein Journalist berichtete, der Kommandant hätte ihm damit gedroht seine Kamera zu zerbrechen, falls er nicht aufhören würde zu filmen. Die israelische Armee wollte keine Beweise die dokumentierten, was als Nächstes geschah.
![Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video] qusin%20army%20vs%20press Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video]](http://www.palsolidarity.org/main/wp-content/qusin%20army%20vs%20press.jpg)
Tränengaskanister und gummiumhüllte Metallgeschosse wurden in die Menge geschossen, die Menschen wurden dadurch in verschiedene Richtungen auseinander getrieben, außerstande, ihre Häuser zu erreichen und konfrontiert mit extremster Gewalt seitens der Armee. Demonstranten rannten von der Strasse auf Felder und Olivenhaine, einen alternativen Weg in ihr Dorf suchend. Ein Teil der Soldaten blieb an der Strasse und schoß weiter mit Tränengas und “Gummigeschossen” auf bewegliche Ziele, ein anderer Teil jagte den Menschen hinterher. Soldaten richteten unter Androhung der Feuereröffnung aus geringster Entfernung ihre Gewähre auf Menschen und schlugen einige der Palästinenser.
Eine internationale Aktivistin wurde aus einer Entfernung von zehn Metern mit einem “Gummigeschoss” in die Hand getroffen und musste ärztlich versorgt werden. Nach Israels eigenem Militärrecht ist es illegal, gummiummantelte Metallkugeln aus einer Entfernung von weniger als 40 Metern abzufeuern. Die Soldaten handelten somit bei ihrer heutigen Aktion in direkter Verletzung ihrer eigenen Militärgesetze. Fünf Palästinenser und ein weiterer Ausländer wurden ebenfalls angeschossen, bedurften jedoch keiner weiteren medizinischen Versorgung. Während die meisten Menschen verstreut waren, blieben einige internationale und israelische Beobachter an der Strasse und versuchten auf die Besatzungskräfte einredend die gewaltvolle Situation zu deeskalieren.
![Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video] qusin%20pal%20arrestees Bericht und Video zur Demo in Qusin [+Video]](http://www.palsolidarity.org/main/wp-content/qusin%20pal%20arrestees.jpg)
Diese wurden, nachdem schließlich alles vorbei war, allesamt verhaftet – sechs israelische und fünf internationale Aktivisten, sowie zwei Palästinenser. Nach zunächst stundenlangem Ausharren in der Mittagshitze wurden sie zur Polizeistation Ariel gebracht, wobei die Palästinenser die gesamte Zeit hindurch mit Handschellen gefesselt und ihre Augen verbunden waren. Drei der internationalen Aktivisten wurden fälschlicherweise beschuldigt, einen Offizier während ihrer Verhaftung angegriffen zu haben. Gerade da diese Behauptungen Lügen ohne jegliche Grundlage sind, wurden Journalisten vom Schauplatz ferngehalten, um keine entlastenden Beweise zugunsten der Aktivisten zuzulassen.
***Update*** Zum heutigen 19. September wurden auch die letzten verhafteten Demonstranten freigesetzt. Die Verletzten und ins Krankenhaus eingelieferten sind in ihre Häuser zurückgekehrt und haben sich weitestgehend erholt. Wir versuchen nach wie vor, Geld für die Kaution der beiden Palästinenser aufzubringen – 8000 Schekel (ca. 1.400 Euro), die vorgestreckt wurden und dringlichst zurück bezahlt werden müssen. Es ist äußerst wichtig, die Bewohner von Qusin, die gerade erst den gewaltfreien Kampf gegen die illegale, brutale Besatzung aufgenommen haben, zu unterstützen.
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