Beduinen-Dorf in der Nähe Bir Nabals steht vor dem Abriss
Im September diesen Jahres wurde ein Dorf im Norden Jerusalems geteilt, nachdem die israelische Regierung ein weiteres Stück der völkerrechtswidrigen Apartheidsmauer fertig gestellt hatte. Die israelische Regierung beabsichtigt größere Teile des Dorfes, welche im Osten der Mauer liegen, zu zerstören. Israel betrachtet dieses Gebiet offiziell als Teil des Bezirks Jerusalem und plant dort Wohnhäuser, Industrie- und Transportanlagen anzusiedeln. Die Apartheidsmauer trennte die Bewohner des Dorfes – 45 Menschen leben nun auf Land, welches von Israel beansprucht wird und 18 auf palästinensischem Territorium nahe des Dorfes Bir Nabala.
Die Menschen östlich der Mauer verfügen über keinen direkten Zugang zu Wasser und Strom. Ihr einziger Zugang zu Wasser besteht durch einem Schlauch, der unter der Mauer verläuft und wozu sie Familienmitglieder auf der anderen Seite der Mauer anrufen müssen, um das Wasser auf- und abzudrehen. Ebenso wird den Menschen der Zugang zu ihrem Weideland und Vieh verwehrt und sie müssen nun 300 Schekel für den Transport von Futter zu ihrem Land bezahlen. Durch die Fertigstellung der Mauer, ist es den Bewohner auch nicht mehr möglich ihr Vieh zu den Märkten der Westbank zu bringen, da das israelische Landwirtschaftsministerium Dorfbewohner anhaltend den Zugang zur Westbank verwehrt.
Die 14 Kinder des Dorfes, die vor dem Bau der Mauer zu Fuß zur Schule gingen, müssen nun jeden einen Umweg von zwei Stunden auf sich nehmen. Dabei passieren sie Checkpoint Qalandiya in Richtung Ramallah und nehmen von dort einen weitern Bus nach Bir Nabala. Dieser Umweg kostet jedes Kind ca. 15 Schekel (3 EUR) am Tag. Auf Grund dieser hohen Kosten, leben nun zehn der Kinder, getrennt von ihren Familien, auf der anderen Seite der Mauer in Bir Nabala.
Als im September, die letzten Segmente der Mauer angebracht wurden, beschnitt die israelische Armee zehn Tage lang, den Bewegungsfreiheit der Dorfbewohner. In dieser Zeit war es den Kinder nicht möglich die Schule zu besuchen, zudem wurde der Zugang zu Lebensmitteln begrenzt. Am 16. September versuchten Bewohner des Dorfes, ihr Futter für ihr Vieh zu Bekannten auf der anderen Seite der Mauer zu bringen, wozu sie einen noch bestehenden kleinen Spalt in der Mauer benutzten. Israelische Soldaten hinderten sie daran und riefen weitere vier Militärjeeps, um die Menschen zu bestrafen.
20 Soldaten stürmten das Haus, eines Mannes, welcher das Viehfutter erhalten sollte, und attackierten weitere Dorfbewohner. Ein 19-jähriger Man und sein Onkel mussten ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem ein weitere Anwohner über eine Stunde verhandeln musste, bis die israelische Armee den gerufenen Krankenwagen durchließ.
Am 25. November wird ein Anwalt die betroffenen Menschen vor einem Zivilgericht in Jerusalem verteidigen. Somit haben die Bewohner zu Zeit nicht nur mit ihren täglichen Problemen zu kämpfen, sondern auch mit einem Rechtsprozess. Bewohner des Dorfes führen tägliche Gespräche mit NGOs, wie B’Tselem, um ihnen in Fragen, wie z.B. der täglichen Benutzung von Checkpoint Qalandiya zu helfen. Mehrmals wurde auch die palästinensische Autonomiebehörde um Hilfe gebeten, da diese allerdings keinen Einfluss auf von Israel beanspruchte Gebiete hat, verliefen diese ohne Erfolg.
Auf die Frage, was die israelische Regierung mit den Dorfbewohner vorhat, nachdem das Dorf zerstört wurde, konnte auch der Sprecher des Dorfes keine klare Antwort geben: „Wenn wir jetzt gehen, weiß ich nicht wohin wir gehen werden. 1948 lebten wir in Beir Sheba. In Folge der Nakba mussten wir fliehen. 1962 kamen wir in dieses Gebiet und seitdem lebe ich hier. Ich war ein ein-jähriger Junge und lebe seitdem auf diesem land. Dieses Land gehört zu Ost-Jerusaleme, wir befinden uns auf arabischem Land.“





























