Israelische Polizei foltert 16-jährigen Palästinenser aus Azzun
Am Montag, dem 3. Dezember marschierte die israelische Armee ein weiteres Mal in das palästinensische Dorf Azzun ein. Dabei entführten israelische Undercover-Einheiten den 16-jährigen Mahmud Raduan, befragten und folterten ihn für mehrere Stunden.
Mahmud war mit einem Eselkarren und seinem Freund, entlang der Straße 55, nahe des Dorfes Izbat at-Tabib, unterwegs zu dem Farmland eines Freundes in der Nähe von An-Nabi Elyas, als ein scheinbar palästinensisches Taxi neben ihnen anhielt. Israelische Undercover-Einheiten, gekleidet in palästinensischer Zivilkleidung richteten eine Waffe auf die beiden Jugendlichen und zwangen sie, sich an der Leitplanke hinzusetzen. Nach ca. 30 Minuten durfte Mahmuds Freund den Ort verlassen, während Mahmud mit den Worten: „wir haben etwas gegen dich in der Hand; wir wissen, dass du Probleme machst.“ in der Gewalt der Israelis behalten wurde.
Die Beschuldigungen die Mahmud im Taxi und später in der Polizeiwache der israelische Siedlung Ariel entgegengebracht wurden, drehten sich um das Werfen von Steinen gegen Fahrzeuge auf der Straße 55, als auch gegen Polizeiwagen und Armeejeeps, während der letzten Militärinvasion in Azzun. Mahmud wurde wiederholt damit gedroht, dass er entweder gestehen könne und dann nach Hause zurückkehren könne, oder vor Gericht zu einem Bußgeld verurteilt werden würde. Polizisten drohten ihm mehrmals „Probleme“ für ihn und sein Familie „zu machen.“ Mahmud wurde wiederholt mit Obszönitäten gegen ihn und seine Familienmitglieder beschimpft.
Die Polizisten zogen dann Mahmuds Jacke über seinen Kopf und würgten ihn mit den Ärmeln der Jacke. Mehrmals wurde er in den Unterleib, gegen die Hüfte, den Kopf und die Beine mit einem dem Kolben eines M16 Gewehres geschlagen. Während der zwei Stunden andauernden Befragung, wurde Mahmud jedes Mal geschlagen, wenn er die Beschuldigungen abstritt. Trotz der anhaltenden Misshandlungen beharrte Mahmud auf seiner Unschuld, wies alle Beschuldigungen zurück und erklärte, dass er keine Steine geworfen hätte.
Die Polizisten versuchten ihn weiterhin zu zwingen, ein Geständnis abzulegen, indem sie ihm drohten, ihn in Einzelhaft zu verlegen. Außerdem würde er an die Decke gebunden und von vier Männern weiter gefoltert werden.
Letztendlich beharrte Mahmud weiter auf seiner Unschuld und wurde so in einen Flur gebracht, wo er, mit einem Bein an eine Metallstange gebunden, für vier weitere Stunden sitzen musste. Gegen
Die Tortur, auf der Basis grundloser Beschuldigungen, dauerte fast zehn Stunden und stellt beispielhaft dar, welches Schicksal viele junge palästinensische Männer, als Folge der israelischen Politik besonders junge Männer immer wieder ohne Gründe und Beweise ins Visier zu nehmen, erleiden.
Selbst für Mahmud ist dies nicht das erste Mal, dass er ungerechtfertigt Opfer von Befragungen und Misshandlungen wird. Erst ein Jahr zuvor, wurde der damals 15-jährige in seinem Haus verhaftet. Israelische Soldaten klopften an die Haustür und fragten nach seinem Bruder Mohammad. 15 Minuten später kamen sie zurück, verhafteten Mahmud und brachten ihn zur Polizeiwache der Siedlunge Ma’aöe Shamron. Zur selben Zeit wurden auch zwei weitere 14-jährige Jugendliche aus dem Ort verschleppt. Mahmud wurde anschließend zur Polizeiwache in Ariel gebracht. Auf dem Weg dorthin wurde er mehrmals mit Schlagstöcken gegen den Kopf und seinen ganzen Körper geschlagen. Auch damals beschimpften Soldaten seine Familie und warfen ihm vor, Steine geworfen zu haben.
In Ariel wurde Mahmoud in einen Raum gebracht, wo zwei israelische Verhörspezialisten eine Plastiktüte über Mahmuds Kopf stülpten. Mahmud wurde mit gefesselten Händen und Füßen zu Boden gestoßen und für ca. 20 Minuten von allen Seiten geschlagen und getreten. Während der gesamten Zeit wiederholten die beiden Männer immer wieder die Beschimpfungen seiner Familie und die gegen Mahmud erhobenen Vorwürfe.
Anschließend musste er sich auf für drei Stunden mit gefesselten Füßen und Händen auf eine Bank setzen. Vorbeilaufende Polizisten schlugen ihn regelmäßig, wenn er einzuschlafen schien.
Als Offiziere des israelischen Geheimdienstes gegen sechs Uhr Morgens die Polizeiwache erreichten, begannen sie jeden der drei Jugendlichen noch einmal zu befragen. Mahmud wurde dreimal, für jeweils 30 Minuten befragt. Während dieser Befragungen wurden ihm immer wieder dieselben Fragen gestellt und er mit denselben Beschuldigungen konfrontiert. Alle drei Jungen wurden genötigt ein Geständnis zu machen. „Du hast Steine geworfen. Wo ist deine Waffe? Dein Freund hat gesagt, dass du die Steine geworfen hast.“
Später wurde Mahmud in eine weitere Siedlung, Qedumim, gebracht. Nach 20 Minuten wurde er schließlich in der Nähe des Dorfes Jinsafut, 8 km östlich von Azzun, freigelassen.
Diese beiden persönlichen Geschichten sind keine Einzelfälle sondern stehen sinnbildlich für die systematischen Praktiken der israelischen Armee und Polizei, mit denen palästinensische Jugendliche terrorisiert und gedemütigt werden. Bewohner Azzuns vermuten, dass zusammen mit den andauernden Militärinvasionen, Ausgangs- und Straßensperren in Azzun, diese Attacken ein weiteres Element einer Langzeitstrategie darstellen, um eine Geschichte der Gewalt in dem Dorf zu kreieren. Diese Gewalt soll den Bau einer Trennungsmauer, die die Hauptzufahrt nach Azzun absperrt, vor israelischen Gerichten legitimieren.





























