Israel`s Gründung machte auch Palästinenser zu Holocaust-Opfern
Von Cnaan Liphshiz
Eine Gruppe Akademiker aus Deutschland rief am Montag die Regierung in Berlin dazu auf, ihre wie sie es nannten im Holocaust wurzelnde blinde Unterstützung für Israel zu überdenken. Sie führten an, im Zuge der Schaffung des israelischen Staates wären auch die Palästinenser zu Opfern des Nazi-Holocausts geworden. Die vier, Dr. Reiner Steinweg, Prof. Gert Krell, Prof. Georg Meggle und Jörg Becker nahmen am Montag abend an einer Debatte über die Zukunft der deutsch-israelischen Beziehungen im Netanya Academic College teil. Sie waren unter den 25 Unterzeichnern einer Petition zu diesem Thema, welche nach dem zweiten Libanonkrieg durch die deutschen Medien ging.
Gemäß der öffentlichen Erklärung ist die Verantwortung Deutschlands gegenüber den Palästinensern “eine Seite der Konsequenzen des Holocaust, welche bei Weitem zu wenig Aufmerksamkeit erhält.” Das Dokument argumentiert weiter, dass es der von Deutschland verübte Holocaust war, welcher “das Leid [über den Nahen Osten] gebracht hat, das seit sechs Dekaden anhält und heute unerträgliche Ausmaße angenommen hat.”
Dies ergibt sich laut des Manifests mit dem Titel “Freundschaft und Kritik” aus dem Faktum, dass “ohne den Holocaust an den Juden die israelische Politik sich nicht befugt - oder gezwungen sehen würde, die Menschenrechte der Palästinenser und der Bewohner des Libanon rücksichtslos zu übergehen.”
Ohne den Holocaust, so das Dokument, würde Israel nicht dieselbe materielle sowie politische Unterstützung durch die Vereinigten Staaten genießen. Dasselbe gelte für die Unterstützung durch Deutschland, wie die Forscher gegenüber Haaretz äußerten.
“Es ist also nicht nur Israel, das auf eine besondere Berücksichtigung seitens Deutschlands Anspruch erheben kann. Als Deutsche teilen wir nicht nur eine Verantwortung für Israel`s Existenz, sondern auch für die Lebensbedingungen der Palästinenser,” folgerten die Wissenschaftler.
Die vier Mitunterzeichner hatten auf Einladung des ehemaligen Vizesprechers der Knesset, Dov Ben-Meir, welcher die Veranstaltung organisiert hatte, an der Debatte teilgenommen. Im Dezember 2006 hatte Ben Meir eine, wie er es nannte ”freundliche Stellungnahme” geschrieben, die er wiederum in den Medien veröffentlichte. In dieser schrieb er, das Originalmanifest reflektiere eine zu simple Herangehensweise. Einer der Hauptgründe für den Konflikt und die derzeitige Lage der Araber und Palästinenser, so Ben-Meir, war deren Kompromisslosigkeit und ihr Griff zur Gewalt anstatt des Dialogs.
Ben-Meir gestand ein, dass Deutschlands Einstellung gegenüber Israel als Teil der im Holocaust wurzelnden “besonderen Beziehung” zu verstehen ist, so auch die enormen Reparationszahlungen welche in den 1950ern an Israel geleistet wurden. Er konstatierte, dass diese jedoch mehr dem deutschen, als dem israelischen Interesse diene.
“Indem die jüdische Nation sich bereit erklärt hatte, Deutschlands Nazi-Vergangenheit beiseite zu legen, gewährte sie ihm den Eintritt in die Familie der Nationen, nachdem Deutschland aufgrund seiner Nazi-Vergangenheit als Pariastaat angesehen wurde.”
Die Debatte, bei der etwa 150 Menschen zugegen waren, fand im Rahmen einer Panel-Diskussion statt. Die deutschen Wissenschaftler wurden vertreten von Professor Meggle, Spezialist der philosophischen Anthropologie an der Universität Leipzig, und Dr. Steinweg, Forscher an der Linzer Außenstelle des österreichischen Studienzentrums für Friedens- und Konfliktforschung.
Steinweg sagte, die Gruppe wäre gekommen, um Mißverständnisse betreffend des Manifests auszuräumen, das ihm zufolge fehlinterpretiert worden war als Aufruf an Deutschland die Freundschaft zu Israel zu beenden.
Unter den lokalen Panel-Teilnehmern befanden sich der ehemalige Botschafter Israels in Deutschland, Shimon Stein, die Korrespondentin der Zeitung “Die Zeit”, Gisela Dachs und Professor Moshe Zimmermann, Direktor des Koebner Minerva Centers für deutsche Geschichte an der hebräischen Universität in Jerusalem.
Zimmermann sprach davon, dass der Holocaust derzeit der politischen Manipulation durch Israel sowie auch durch Deutschland unterliege. “Die Israelis versuchen dieses Thema auszunutzen, um Kritiker des Staates Israel als Antisemiten hinzustellen. Gleichzeitig ist dieses Manifest ein Versuch, die Schuldgefühle der Deutschen für den Holocaust zu manipulieren, indem sie auf die Palästinenser projektiziert werden.”
“Wenn sich die Deutschen für den Holocaust schuldig fühlen wollen, dann halten sie sich besser and die Polen, die Niederländer und die Juden. Es gibt keinen Grund sich auch noch schuldig zu fühlen für das, was den Palästinensern wiederfahren ist,” fügte er hinzu.
Die sich dann ergebende aufgeheizte Diskussion kommentierte Hermann Bunz von der Friedrich-Ebert-Stiftung, der privaten deutschen non-profit Organisation, die den Besuch der deutschen Wissenschaftler finanziert hatte. “Dies ist die perfekte Gelegenheit sich gegenseitig misszuverstehen, doch ich würde dazu raten, das Gegenteil zu tun.”
“Sie sind in der Minderheit, jedoch unterrichten sie die deutsche Jugend, und wir können es uns nicht leisten, ihre Kritik als antisemitisch abzustempeln. Wir müssen sie konfrontieren,” sagte Ben-Meir.
Quelle: Ha’aretz





























