60 Jahre Israel - 60 Jahre Nakba: Dieses Land war ihres
von Hannah Mermelstein
Am 20. März 1941 schrieb Yosef Weitz vom Jüdischen Nationalfond: „Die vollständige Evakuierung des Landes von seinen anderen Bewohnern und die Übertragung an das jüdische Volk - das ist die Antwort.“
An diesem Tag im Jahr 1948, fast zwei Monate bevor der erste „arabisch-israelische Krieg“ technisch begann, flohen die 1.125 Bewohner des palästinensischen Dorfes Umm Khalid vor den Militäroperationen der Haganah. Wie ihre Brüder aus mehr als 500 Dörfern, dachten sie wahrscheinlich sie würden innerhalb weniger Wochen in ihre Häuser zurückkehren, nachdem sich die Kämpfe gelegt hätten und neue politische Grenzen gezeichnet oder nicht gezeichnet wären.
Stattdessen bleiben mehr als sechs Millionen Palästinenser bis zum heutigen Tage Flüchtlinge, einige in Flüchtlingslagern nicht weit von ihren Heimatstädten, andere in etablierten Gemeinden in Europa und den Vereinigten Staaten. Doch allen wird aus einem Grund die Rückkehr verboten: sie sind nicht jüdisch.
Yosef Weitz’ Wunsch hat sich erfüllt. In meinem Namen und im namen von Juden überall auf der Welt, wurde eine indigene Bevölkerung fast vollständig vertrieben. Dörfer wurden von der Landkarte entfernt, Häuser in die Luft gesprengt und neue Wälder gepflanzt. Auf Arabisch nennt man es Nabka, die Katastrophe. In Israel nennen sie es „Unabhängikeit“.
Letzten Monat ging ich mit einem Mann aus Umm il Fahm (einer palästinensischen Stadt in Israel) zu seinem Ursprungsdorf Lajun, nur einige Kilometer entfernt. Adnans Land ist nun ein Wald des Jüdischen Nationalfonds und „gehört“ zum Kibbutz Mediddo.
Während wir entlang eines steinigen Weges laufen, zeigt er an die Seiten der Straße und benennt die Familien die einst hier lebten: Mahamid, Mahajne, Jabrin… . Das Land ist nicht von Natur aus steinig; die Steine auf denen wir laufen sind ein Friedhof zerstörter Häuser. Adnan war nur sechs Jahre alt, als die Kugeln der Haganah über sein Kopf flogen und seine Familie floh. Aber er erinnert sich. Er beginnt zu weinen, als wir am Ort seines zerstörten Hauses halten und sagt, „Willkommen in meinem zu Hause.“
Adnan ist israelischer Bürger, das Land, was ihm gestohlen wurde, wurde an eine Organisation gegeben, die ihm verweigert darauf zu leben. Als ein amerikanischer Jude könnte ich morgen nach Lajun/ Megiddo umziehen, die vollen Bürgerrechte erhalten und auf dem Land leben, um welches sich Adnans Familie seit Jahrhunderten gekümmert hat. Adnan, der nur einige Minuten entfernt lebt, darf das nicht.
Während wir uns auf den 60. Jahrestag des Staates Israel, dem 60. Jahrestag der Nakba zu bewegen, lasst uns an Adnan denken. Lasst uns an die Bewohner Umm Khalids denken. Lasst uns an die mehr als sechs Millionen Menschen denken, die seit 60 Jahren ihrer Menschenrechte beraubt werden. Und als jüdische Menschen mit einer Geschichte der Unterdrückung und einer Tradition der sozialen Gerechtigkeit, lasst uns, uns einsetzen für das Recht der einheimischen Bevölkerung zu ihrem Land zurückzukehren. Dies ist unsere einzige Hoffnung für einen wahren Frieden und Sicherheit in der Region
Hannah Mermelstein ist Mitbegründerin von Birthright Unplugged und lebt in Boston, Philadelphia und Ramallah.
Der englische Originalartikel ist am 24.03.08 erschienen im Jewish Advocate.
Bild: Palestine Remembered






























März 24th, 2008 at 15:00
“mehr als sechs Millionen Palästinenser bis zum heutigen Tage”
Ich würde dann sagen, mehr als 6 Milliarden “bis zum heutigen Tage” wurden aus dem Paradies vertrieben.
Schade, dass Frau Mermelstein zwei Fragen nicht beantwortet: Wo sonst auf der Welt wird über 60 Jahre hinweg ein Flüchtlichstatus aufrechterhalten? Wem nutzt es?
März 24th, 2008 at 20:55
Sehr geehrte(r) Niko,
schade, dass Sie nur mit Sarkasmus diesem Bericht begegnet sind, sonst hätte sich eine gute Diskussion daraus ergeben können.
Dennoch möchte ich, wenn auch nur kurz, auf ein Bruchstück Ihres Kommentars eingehen, daher zitiere ich den entsprechenden Teil: “Schade, dass Frau Mermelstein zwei Fragen nicht beantwortet: Wo sonst auf der Welt wird über 60 Jahre hinweg ein Flüchtlichstatus aufrechterhalten? Wem nutzt es?”
Gegenfrage: Wo sonst wird die Verletzung von Menschenrechten mit einer derartigen Ignoranz begegnet als bei den Palästinensern?
März 24th, 2008 at 22:17
“Gegenfrage: Wo sonst wird die Verletzung von Menschenrechten mit einer derartigen Ignoranz begegnet als bei den Palästinensern?”
Eine ausgezeichnete Frage! Ich warte auch auf den Tag, wenn die erste palästinensische Friedensbewegung sich z. B. vor den Kassam-Abschussrampen stellt, vor den Raketenwerkstätten und den Tunneln Friedenskundgebungen hält, Selbstmordattentätern den Weg nach Israel mit Menschenketten versperrt, oder zum Boykott des Al-Aksa-Senders aufruft.