Der Fluch des Traumhauses in Nablus
Vor sechs Jahren bauten Abdul-Latif Nasif und seine zwei Brüder ihr Familienhaus auf einem der Hügel, von dem aus man die Stadt Nablus im Westjordanland überblicken kann. Es bietet eine spektakuläre Aussicht auf die Stadt und die umliegenden Gebiete - doch gerade dies war sein Fluch.
“Es ist einfach nicht mehr mein Haus,” sagt der 47-jährige palästinensische Bankmanager, “es könnte genau so gut der israelischen Armee gehören.”
Weniger als einen Monat nach Fertigstellung des Hauses, so Herr Nasif, hatten israelische Truppen an die Türe gehämmert und mit Hunden und Waffen das Haus gestürmt. Die Familie musste sich in einem Raum zusammen finden. Er sagt, sie übernahmen die Kontrolle über die oberen Stockwerke des Hauses uns nutzten diese als Basislager und Observationsposten während ihrer Einmärsche in Nablus.
“Sie befestigten Landkarten an den Wänden meines Wohnzimmers und brachten Computer, um es in einen Kontrollraum umzufunktionieren.” Sie blieben über eine Woche. Herr Nasif sagt, es war eine große Erleichterung für seine Familie, als die Armee endlich abzog, doch die Freude war nur von kurzer Dauer.
Veröffentlichung in Zeitschrift
Innerhalb der letzten sechs Jahre unternahm die israelische Armee häufig Einmärsche in die Stadt, um Militante festzunehmen und zu ermorden. Häufig wenn sie dies tun, kehren sie zu Herrn Nasif`s Haus zurück und hämmern wieder an der Tür. “Sie kommen wann immer sie wollen, am Morgen oder mitten in der Nacht. Das macht uns Angst. Mal bleiben sie eine Nacht, manchmal auch wochenlang.”
“Sie gebrauchen was sie wollen. Sie haben mein Bett benutzt, die Betten meiner Kinder, die Bäder, das Gas, Strom, alles.”
Einmal machten sie von sich Fotographien, wie sich in Herr Nasif`s Wohnzimmer kampierten und schickten die Bilder an eine israelische Zeitschrift. Als sie das nächste Mal in Nablus einfielen, brachten sie ihm eine Kopie der Zeitschrift mit.
22 Familienmitglieder leben insgesamt in dem Haus, einschließlich seiner fünf Kinder und der 73-jährigen Mutter. “Ich weiss nicht was ich noch machen soll, mit wem reden, oder wohin ich meine Familie bringen soll. Meine Brüder und ich haben all unser Geld in den Bau dieses Hauses gesteckt, doch wir sind hier nicht sicher.”
Militante Geschichte
Herr Nasif sagt, sein jüngser Sohn Yusuf sei erst 15 Tage alt gewesen, als die Armee erstmals kam.
“Yusuf ist nun sechs Jahre alt, sein ganzes bisheriges Leben hindurch ist dies nun immer wieder geschehen. Sie waren gerade erst vor zwei Tagen wieder hier.”
Nablus hat eine Geschichte der Militanz. In der Vergangenheit kamen einige der Bombenattentäter, die israelische Zivilisten ermordet hatten aus Nablus. Obwohl die Angriffe in den vergangenen Jahren zahlenmäßig drastisch zurück gegangen sind, bedeute dies nicht, dass sie nicht mehr geplant würden, so das Argument des israelischen Militärs. Daraus ziehen sie die Rechtfertigung für die anhaltenden Einmärsche in die Stadt.
Abdul-Latif Nasif ist aufgebracht darüber, dass seine Familie darunter zu leiden hat. “Wenn ich den Soldaten sage, sie sollen uns in Ruhe lassen, antworten sie ich solle den Menschen sagen, sie sollten aufhören Bombenanschläge in Israel zu planen. Aber ich entgegne, das dies nichts mit mir zu tun hat. Ich habe dem Staat Israel kein Unrecht getan. Wir haben das nicht verdient.”
Herr Nasif berichtet, er habe Beschwerdebriefe an die Büros israelischer Politiker geschickt, doch nie eine Antwort erhalten.
Er sagt, er habe auch dem verstorbenen Präsidenten Yasser Arafat gechrieben, ihn um Hilfe gebeten und sich über die erlittenen Schäden an seinem Haus durch die Hand der Soldaten beschwert. Dieser hatte ihm daraufhin einen Scheck über 150 $ für die Reparaturen zukommen lassen.
Das isrealische Militär äußerte in Bezug auf die Nutzung von Herrn Nasif`s Haus während der Einmärsche, es könne die Strategien seiner Operationen nicht kommentieren.
Der Friedensprozess wurde im November wieder aufgenommen, doch Herr Nasif sagt, er habe keine Veränderung in der Häufigkeit der Überfälle durch die Armee festgestellt. Er sagt, das Auftauchen israelischer Truppen sei jederzeit zu befürchten.
Quelle: BBC NEWS





























