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Zu Israels 60. Jahrestag der Unabhängigkeit, israelischer Verbrechen und Boykott

30 März 2008 2 Comments

 von Michael Warschawski

unpartition tel aviv celebration Zu Israels 60. Jahrestag der Unabhängigkeit, israelischer Verbrechen und BoykottAuf der ganzen Welt feiert Israel das 60. Jubiläum seiner Geburt. Diese Gedenkveranstaltungen basieren auf einem doppelten Versäumnis, welches die Feiern in inakzeptabler Weise jeglicher ethischen Perspektive beraubt. Erstens vermeiden sie es den schrecklichen Umstand zu erwähnen, dass die Staatsgründung Israels durch die Enteignung der einheimischen arabischen Bevölkerung und ihre Verwandlung in ein Volk von Flüchtlingen ermöglicht wurde.

Die Gründung Israels anzusprechen, ohne das Schicksal der Araber Palästinas zu erwähnen ist wie die Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika zu erwähnen und dabei die amerikanischen Ureinwohner zu ignorieren – eine historische Fälschung und ein ethischer Fehler.

Zum zweiten wird dieses Jubiläum nicht in einem Vakuum, sondern zu einem Zeitpunkt begannen, zu dem Israel einer der Staaten ist, welcher systematisch die Grundregeln des Völkerrechts, des humanitären Rechts und der Menschenrechte verletzt, bestätigt durch den Internationalen Gerichtshof.

Weder seine Gründungsgeschichte, noch sein heutiges Verhalten bieten einen guten Grund den Staat Israel zu feiern oder ihn zum Ehrengast internationaler Buchmessen in Paris oder Turin zu machen. Israel ist ein unehrenhafter Gast und rechtfertigt somit den, durch arabische Schriftsteller und viele Andere, geäußerten Ruf nach einem Boykott.

Die Entscheidung über einen Boykott Israels ist keine prinzipielle Frage, sondern eine taktische, die auf nur einem Kriterium basiert: Was ist der effizienteste Weg Israel anzuprangern und innerhalb der internationalen Arena zu isolieren.

Ich persönlich habe meine Entscheidung bzgl. eines Boykotts der Pariser Buchmesse zweimal geändert. Ursprünglich entschied ich mich nicht teilzunehmen, obwohl ich eine gegenteilige Entscheidung nicht als falsch bewertete. Nachdem ich von fundamentalistischen Unterstützern eines Boykotts in ihren Kollaborateurs-Anschuldigungen gegenüber progressiven Gegnern eines Boykotts (wie Amira Hass, Eyal Sivan, Yael Lerer und andere) genutzt wurde, änderte ich meine Entscheidung dazu an der Pariser Buchmesse teilzunehmen.

Ich bedaure diese Entscheidung in keiner Weise. Die zahlreichen Aktivitäten, die von Gegner des israelischen Kolonialismus in- und außerhalb der Messe organisiert wurden, waren ein unglaublicher Erfolg. Tausende Menschen nahmen daran teil, welche mit einem reinen Boykott der Buchmesse nicht hätten erreicht werden können. Diese alternativen Aktivitäten waren die einzigen kritischen Hinweise in dem lauten pro-israelischen Festival und erhielten Unmengen an Aufmerksamkeit.

Anstatt wertvolle Zeit mit der Diskussion über Pro und Contra eines Boykotts zu verschwenden – welcher, wie ich sagte, eine taktische Frage ist – sollten die Solidaritätsbewegung in jedem Land die schwachen Punkte der israelischen Präsenz in Politik, Wirtschaft und Kultur bewerten und ihre Anstrengungen einigen, diese schwachen Punkte anzugreifen und Israel effektiv in der internationalen Arena isolieren. Effizienz sollte der Schlüsselbegriff in der Solidaritätsstrategie mit den Menschen Palästinas bleiben.

In den nächsten zehn Monaten wird die israelische Propagandamaschinerie zahlreiche Feierlichkeiten für den 60. Geburtstag des jüdischen Staates organisieren. Um dieser Propaganda weltweit entgegenzuwirken, sollte man unsere Stimme laut und klar sagen hören: „Es gibt nichts zu feiern, aber eine Menge zu tun, um das zu reparieren was in 60 Jahren Israel zerstört wurde.“

Das Bild zeigt jüdische Bewohner Tel Avivs, die am 29. November 1947 die Entscheidung der Vereinten Nationen feiern, Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat zu teilen.

Der englische Originalartikel ist am 30. März beim Alternative Information Center erschienen.

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