Wider die Auslöschung palästinensischen Lebens in Hebron
von Emad Abdallah Hamdan
Seit 1967 hat Israel unaufhörlich den Versuch betrieben, die Stadt Hebron zu besiedeln. Eine Regierung nach der anderen strebte danach, ein jüdisches Viertel im Herzen der Hebroner Altstadt zu errichten und dieses auszuweiten. So wurden fünf israelische Siedlungsaussenposten errichtet, worin etwa 400 Siedler leben, die von ein paar Tausend israelischen Soldaten geschützt werden. Diese Umstände verliehen Hebron einen besonderen Status im palästinensisch-israelischen Konflikt. Während sich die israelischen Militärbehörden nach Unterzeichnung der Osloer Abkommen aus allen palästinensischen Städten zurückzogen, so blieben sie doch in Hebron; dann im Jahr 1997 wurde die Stadt gemäß einer speziellen Vereinbarung, dem Hebron Protokoll, zweigeteilt. Der eine Teil wurde palästinensischer Kontrolle unterstellt, während der zweite Teil, etwa 20 Prozent der Gesamtfläche Hebrons einschließlich der Altstadt und den sie umschließenden Gürtel unter israelischer Sicherheitskontrolle belassen wurde.
Weder das Hebron Protokoll noch der Einsatz internationaler Beobachtungskräfte in der Stadt vermochten dem Extremismus israelischer Siedler und Soldaten ein Ende zu setzen. Mit dem Beginn der israelischen Besiedlung Hebrons begannen israelische Behörden mit der systematischen Verdrängung palästinensischer Zivilisten aus der Altstadt. Ausserdem üben israelische Behörden anhaltend sozialen, ökonomischen sowie politischen Druck auf die Palästinenser aus. Häufig geschieht es, dass bewaffnete israelische Siedler und Soldaten Häuser von Zivilisten stürmen und diese verhaften. Das israelische Militär verhängt regelmäßig lang andauernde Ausgangssperren, blockiert Straßen, greift Zivilisten an, terrorisiert zusammenfassend gesagt die Bevölkerung. Des weiteren haben die israelischen Behörden absichtlich alle Grundeinrichtungen öffentlicher Dienstleistungen aus der Innenstadt heraus verlegt, wie die Busstation und den Gemüsemarkt, was eine komplette Isolierung der Altstadt Hebrons zur Folge hatte. Diese Tragödie hat die Entwicklung der Infrastruktur negativ beeinflusst und es der Bevölkerung beinahe unmöglich gemacht, ihren Zugang zur Grundversorgung aufrecht zu erhalten. Als Konsequenz ist die Auswanderungsrate aus Hebrons Altstadt gestiegen. 1952 betrug deren Bevölkerung etwa 10.000, durch die israelische Aggression und andere politische, soziale und ökonomische Gründe ist die Bevölkerungszahl bis 1996 drastisch auf 400 gesunken. Die meisten Gebäude sind verlassen, und diejenigen, die geblieben sind, leben in einer ständigen Misere. Durch die Bemühungen des Hebroner Rehabilitationskomitees, die Stadt wieder wohnlicher zu machen indem verlassene Gebäude renoviert und wieder aufgebaut werden beginnt die Bevölkerung der Altstadt wieder zu wachsen. Derzeit beträgt sie in etwa 5.000 Einwohner.
Indes war es entscheidend, dass jemand die Verantwortung für den Schutz und die Instandhaltung des kulturellen Erbes der Altstadt übernimmt, und es aus den Fängen der Siedler rettet. Im August 1996 erließ der verstorbene Präsident Yasser Arafat die Anordnung, das Hebroner Rehabilitationskomitee mit folgendem Ziel und Zweck zu gründen: 1) Konfrontation und Eindämmung der israelischen Siedlungsaktivitäten in der Altstadt Hebrons durch den Wiederaufbau und Instandsetzung der Wohngebäude in unmittelbarer Nähe der Siedlungsaussenposten um deren horizontale Ausdehnung und architektonischen Zusammenhang zu beschränken; 2) Schutz des kulturellen Erbes durch Absicherung und Beibehaltung der architektonischen Einheit antiker Gebäude sowie der Gesamtheit des architektonischen Gefüges; 3) Belebung der Altstadt Hebrons durch die Renovierung und den Bezug der verlassenen Gebäude, sowie der Wiederaufbau der Infrastrukturen und eine Stärkung des Zugehörigkeitsgefühls zu der Stadt in der Bevölkerung; 4) Die Verbesserung der Lebensbedingungen für die Einwohner durch die Bereitstellung von medizinischen und technischen Dienstleistungen, und Arbeitsplatzbeschaffung durch die Einleitung von Entwicklungsprojekten; und 5) Ankurbelung kommerzieller und touristischer Aktivitäten.
Die Repressionsmaßnahmen des israelischen Militärs in Hebrons Altstadt haben die Renovierungsarbeiten des Hebroner Rehabilitationskomitees schwerwiegend beeinträchtigt. Kürzlich haben die Behörden eine Reihe von Militäranordnungen erlassen, welche die Renovierung von Gebäuden in Nähe der Siedlungsaussenposten aus Sicherheitsgründen untersagen. Das Komitee hatte gerade den in Nähe der Siedlungsaussenposten befindlichen Gebäuden eine Priorität eingeräumt.
Das Hebroner Rehabilitationskomitee war vor Angriffen israelischer Behörden und Siedler nicht gefeit. Arbeiter der Renovierungsprojekte wurden verhaftet und Vertragspartner hatten erhebliche Schwierigkeiten, Ausrüstung und Arbeitsmaterialien an den Ort zu bringen. Israelische Truppen verboten die Nutzung von Traktoren und Kleintransportern, um die riesigen Erd- und Geröllhaufen abzutransportieren, somit waren die Arbeiter gezwungen, sich zu diesem Zwecke der Lasttiere zu bedienen.
Unter solch wiedrigen Bedingungen startete also das Hebroner Rehabilitationskomitee seine Renovierungsprojekte, die anfänglich das Ziel hatten, den stetigen Verfall der Gebäude aufzuhalten. Das Komitee hatte akkurate technische Renovierungspläne entworfen, welche die Restaurierung alter Steine und des Innenraums mit einschlossen. Dabei wurde Wert darauf gelegt, ästhetischen Ansprüchen genüge zu tun. Davon abgesehen boten die Renovierungen auch Lösungen für die Feuchtigkeitsprobleme.
Große Wohnflächen, welche für die Unterkunft von Großfamilien gedacht waren, wurden aufgeteilt um den Anforderungen moderner Kleinfamilien zu entsprechen. Diese Wohnungen wurden modern ausgestattet, um eine anständige Lebensqualität zu gewährleisten.
Den steigenden Bedürfnissen der Bevölkerung Rechnung tragend wurden auch alte Strassen renoviert und neue Infrastrukturen aufgebaut, wie neuer Wasser- und Abwasserleitungen, ein neues Elektrizitätsnetz und die Verlegung neuer Telefonkabel. Die Viertel Al-Sheikh, Qaitun, Al-Salaymeh, Jebr, Bani Dar, Al-Aqaba, Al-Sawakeneh, Al-Qazazin und der Markt von Al-Labban wurden renoviert und erneuert. Das Komitee plant nicht nur den Bau von Erholungsparks für Kinder und Familien, sondern auch die Errichtung von Touristenattraktionen. Das Komitee will die Standhaftigkeit der Einwohner stärken, indem es ihr Leiden lindert und ihnen eine Auswahl an Einrichtungen schafft.
Das Komitee ermutigte den Zuzug von Menschen aus der gesamten Westbank, um in Hebrons Altstadt zu leben und die sozialen Beziehungen zwischen den Menschen zu stärken. Auch soll die gesellschaftliche Kultur gestärkt werden, indem den Menschen die Relevanz des Kulturerbes von Hebron nahe gebracht wird. Um die Menschen zu motivieren, die Altstadt Hebrons zu beziehen, werden Anreize wie kostenlose Renovierungen und freies Wasser und Elektrizität angeboten. Internationale Institutionen versorgen ausserdem die Einwohner mit kostenlosen Essensrationen und medizinischen Dienstleistungen.
Eine der interessantesten Errungenschaften des Hebroner Rehabilitationskomitees ist es, dass es geschafft hat, eine pluralistische und vielfältige Gesellschaft in Hebron zu erschaffen. Es hat Palästinenser aus unterschiedlichen Bildungs- und sozialen Hintergründen für die Stadt begeistert. Es schuf weiter eine soziale Beratungsstelle, die sich um die Probleme der Bewohner der Altstadt kümmert und ihnen bei der Lösung ihrer Probleme zur Seite steht. Diese fokussiert sich darauf, gesellschaftlichen und kulturellen Hindernissen zu begegnen und die Beziehungen zwischen den Menschen zu stärken. Daraus resultierend haben sich die Lebensbedingungen in Hebron gebessert, das Leben ist ein wenig leichter geworden.
Das Hebroner Rehabilitationskomitee organisiert auch kulturelle Aktivitäten, um das kulturelle Bewusstsein in der Bevölkerung zu stärken. Photoausstellungen und Paneldiskussionen werden abgehalten, Pamphlete und Broschüren über die Gewichtigkeit und historische Signifikanz Hebrons werden in regelmäßigen Abständen heraus gegeben. Das Komitee hat auch eine Kinderbibliothek eröffnet und die Gründung von Kultur- und Sportzentren in der Altstadt gefördert.
Um auf die medizinischen Bedürfnisse der Bevölkerung eingehen zu können hat das Komitee eine Klinik wieder aufgebaut, welche nun vom Gesundheitsministerium in der Altstadt betrieben wird. Es findet eine Koordination mit lokalen und internationalen zivilgesellschaftlichen Institutionen statt, um den Einwohnern kostenlose Krankenversicherungen und medizinische Versorgung zur Verfügung zu stellen.
Schließlich arbeitet das Hebroner Rehabilitationskomitee auch daran, das Bewußtsein der in Hebron lebenden Palästinenser für ihre Menschenrechte zu stärken und ihnen ein Mindestmaß an Sicherheit zu bieten. Israelische Übergriffe auf Zivilisten werden durch die Rechtsabteilung, die im Jahr 2000 mit Hilfe der Norwegischen Regierung gegründet wurde, beobachtet und dokumentiert.



Emad Abdallah Hamdan wurde in Ramallah geboren und hat einen Master in Nachhaltiger Entwicklung. Er ist derzeit Direktor der Verwaltung, Finanzen und der Öffentlichkeitsarbeit des Hebroner Rehabilitationszentrums und Dozent für Verwaltungswissenschaften an der Al-Quds Fernuniversität.
Quelle: This Week in Palestine





























Oktober 10th, 2008 at 20:03
Hallo,
Mit Erschütterung lese ich die Berichte auf Ihrer Seite. Da sind nun 3 Weltreligionen in diesem Gebiet entstanden und jede beansprucht das Land für sich alleine.
Israeliten hört auf, Paläsinenser zu demütigen und hinzumorden. Gott sagt in einem seiner Gebote “Du sollt nicht töten”. Beachtet das und Ihr werdet auch von Palästina respektiert. Wir in Deutschland haben uns nach Hitlers Krieg auch mit unseren Nachbarvölkern geeinigt. Auch Polen, das von der Deutschen Wehrmacht zuerst angegriffen wurde, ist dem Schengen Abkommen beigetreten und heute kann ich ohne eine Grezkontrolle passieren zu müssen, nach Polen einreisen. So eine Einigung mit den Nachbarvölkern sollte auch in Israel möglich sein. Deutschland hat es nach dem schrecklichsten aller Kriege auch geschafft.
Oktober 16th, 2008 at 14:52
hallo, thomas
vielleicht kann man es auch so schreiben:
palaestinenser, hoert auf, israelis zu attackieren , zu verleugnen und w a h l l o s zu toeten, erkennt erst mal israel an, und dann wird es auch zum frieden kommen, schneller, als du glaubst………..
Januar 10th, 2009 at 03:14
Die Anerknnung Israels bringt keinen Frieden das ist bloss demütigung der Palis, viele Palästinenser wurden von den Israelis vertrieben udn ermordet. Wenn sie das existenzrecht Israels anerkennen würden, würden sie auch die Demut die man ihnen angetan hat legitimieren, was voll sch***** ist. Israel lasse die Palästinese zurück in ihre heimat und dann solle s einen Staat geben in dem Juden, Christen und Muslime gleichberechtig nebeneinander leben können. Dann wird es Frieden geben