Zakaria Zubeidi: “Das palästinensische Volk ist erledigt”
„Unsere Politiker sind Huren. Unsere Führung ist Abfall. … Wir wurden besiegt.“
In einem Interview mit der israelischen Tageszeitung Haaretz spricht der ehemalige Anführer der Al-Aqsa Märtyer Brigaden über das Ende des bewaffneten palästinensischen Widerstandes, die Verlogenheit israelischer und palästinensischer Führer und seinen Wandel vom Kämpfer zum Familienvater und Theatermitarbeiter. Die palästinensische Autonomiebehörde beschreibt er als Kollaborateurin, die in einem Krieg gegen das palästinensische Volk untergehen wird.
Obwohl Zubeidi sich nicht mehr vor der israelischen Armee versteckt, brauchten seine Kollegen vom Theater einige Stunden um ihn zu finden. Zubeidi antwortet nicht auf Telefonanrufe, selbst wenn der Kommandeur der palästinensischen Sicherheitskräfte in Jenin, Suleiman Umran, ihn anruft. Letztendlich erklärt uns eine Frau, die im Theater arbeitet, dass er für gewöhnlich lange schläft und vielleicht ist es das, was er gerade tut.
Früher sah man Zubeidi gelegentlich vor seinem Wohnhaus im Flüchtlingslager Jenin, zusammen mit seinen gesuchten Kollegen, bevor er aus Angst in einen israelischen Hinterhalt zu geraten verschwand. Die einzigen Erinnerungen aus diesen Zeiten sind die gerahmten Bilder der Märtyrer, die kürzlich im Lager getötet wurden und das riesige Poster Saddam Husseins in einer der Hauptstraßen auf dem Weg zu Zubeidis Haus. Sein Sohn Mohammad öffnet die Tür und ruft sofort seinen Vater herbei. In Sandalen und einem schwarzen T-Shirt kommt er herunter und verspricht in einigen Minuten zu den Büros des Theaters zu kommen. Zubeidi kommt in seiner Kampfjacke und Bergsteigerschuhen aber ohne Waffe und ohne seine ehemaligen Kollegen von den Brigaden.
Was machen Sie zur Zeit?
Zubeidi: Nichts Besonderes. Wir haben die Al-Aqsa Brigaden geschlossen und ich habe bisher keine volle Begnadigung von Israel erhalten. Ich bin ein bisschen zu Hause, im Theater ein bisschen.
Warum wurden sie nicht begnadigt?
Zubeidi: Sie haben uns angelogen, Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde. Die PA versprach uns, dass nachdem wir drei Monate in Einrichtungen der PA verbringen und nicht an Aktionen teilnehmen, wir eine Begnadigung erhalten würden. Diese drei Monate sind vorbei und nichts ist passiert. Sie versprachen uns Jobs, doch auch dies wurde nicht verwirklicht. Einige von uns bekommen ein Gehalt in Höhe von 1.050 NIS (ca. 190 Eur). Was kannst du damit anfangen? Deinen Kindern Bamba [Marke israelischer Kinder-Snacks] kaufen? Sie haben jeden angelogen. Sie haben unterschieden zwischen denen, die wirklich Mitglied der Al-Aqsa Brigaden waren, die sie aufs Kreuz gelegt haben und Gruppen die sich selbst so nannten, aber eigentlich im Auftrag der PA arbeiteten.
Weshalb haben sie dann aufgehört?
Zubeidi: Zum Teil auf Grund des Konfliktes zwischen Fatah und Hamas. Sehen Sie, mir ist es vollkommen klar, dass wir Israel nicht besiegen können. Mein Ziel für uns war, durch den Widerstand der Welt eine Botschaft zu senden. Zu Zeiten Abu Amars [Yasser Arafat] hatten wir einen Plan, es gab eine Strategie und wir führten seine Anweisungen aus.
Somit sagen Sie, was Amos Gilad und die Geheimdienste immer gesagt haben. dass Arafat alles geplant hat?
Zubeidi: Richtig. Alles was in der Intifada getan wurde, wurde gemäß den Anweisungen von Arafat getan. Aber er musste uns nicht jede Sache deutlich mitteilen. Wir verstanden seine Botschaft.
Und heute gibt es keine Führung?
Zubeidi: Heute kann ich deutlich sagen: Wir sind mit der Intifada vollständig gescheitert. Wir sahen keinen Vorteil oder irgendein positives Ergebnis durch sie. Wir haben nichts erreicht. Sie war ein vernichtender Fehler. Wir scheiterten auf der politischen Ebene – wir haben es nicht verstanden militärische Aktionen in politische Ergebnisse zu transformieren. Die momentane Führung will keine bewaffnete Aktionen und seit dem Tod von Abu Amar gibt es niemanden, der fähig wäre unsere Aktionen zu nutzen um solche Ergebnisse hervor zu bringen. Als Abu Amar starb, starb die Intifada mit ihm.
Was war passiert. Warum starb sie?
Zubeidi: Warum? Weil unsere Politiker Huren sind. Unsere Führung ist Müll. Sehen Sie sich Ruhi Fatouh an, der 60 Tage lang als Yasser Arafats Ersatz der Präsident der PA war. Er schmuggelte Handys. Verstehen Sie? Wir wurden besiegt. Die politischen Gräben und Spaltungen haben uns nicht nur politisch zerstört – sie haben unsere nationale Identität zerstört. Heute gibt es keine palästinensische Identität. Gehen Sie zu irgendwen auf der Straße zu und fragen Sie ihn: „Wer bist du?“ Er wird Ihnen antworten: „Ich bin ein Fatah-Aktivist“, „Ich bin ein Hamas-Aktivist“ oder ein Aktivist irgendeiner anderen Organisation, aber er wird Ihnen nicht sagen: „Ich bin Palästinenser.“ Jede Organisation hisst ihre eigene Flagge, aber keine hisst die Flagge von Palästina.“
Sagen Sie, als jemand, der einst ein Symbol der Intifada war, “Wir wurden besiegt, wir sind gescheitert, die Intifada ist tot?”
Zubeidi: Selbst Gamal Abdel Nasser gestand seine Niederlage ein, also warum nicht auch ich. Kommen Sie, ich werde Ihnen was sagen. Am Samstag gab es eine Zeremonie anlässlich der Tötung einer unserer Märtyrer. Sie haben mich aufgefordert ein paar Worte zu sprechen. Was kann ich sagen? Ich kann nicht länger wie üblich versprechen, dass wir in die Fußstapfen des Märtyrers treten werden, denn dann würde ich lügen. Dann kam einer der Führer von Fatah zu mir und sagte: „Wir folgen in die Fußstapfen der Märtyrer und wir setzen den Widerstand fort.“ Und ich sagte ihm, dass er ein Lügner ist.
Ich fühle, dass sie uns, die Al-Aqsa Aktivisten, verlassen haben. Sie haben uns zurück gelassen und uns vergessen. Wir marschieren in die Richtung des Nichts, entgegen des totalen Untergangs. Das palästinensische Volk ist erledigt. Hamas sendet aus seiner Fernsehstation und sagt „Fatah ist ein Verräter“. Das bedeutet zu sagen, 40 Prozent der Nation sind Verräter. Und dann kommt Fatah, tut dasselbe und schon hast du 80 Prozent Verräter.
Sind Sie deshalb zu Hause?
Zubeidi: Ich bin müde. Wenn du verlierst, was kannst du tun? Wir, die Aktivisten, haben den größten Preis gezahlt. Unsere Familienmitglieder wurden getötet, Freunde. Sie zerstörten unsere Häuser und wir haben keine Möglichkeit einen Lebensunterhalt zu verdienen. Und was ist das Ergebnis? Null. Einfach Null. Und wenn dies das Ergebnis ist, willst du kein Teil davon mehr sein. Viele Andere sind in Folge der Frustration und weil Fatah keinen militärischen Flügel mehr hat dem Islamischen Jihad beigetreten. Diese Aktivisten sind immer noch bereit den Preis zu bezahlen.
Und sehen Sie, wie sich die PA gegenüben denen verhält, die am Ball bleiben. Wenn eine Person der PA in einem Kampf mit den Israelis getötet wird, beträgt der Betrag, welcher der Familie gezahlt wird, 250 NIS (ca. 45 Eur) pro Monat, obwohl er ca. 2000 NIS verdient hatte. Warum? Damit ihm nicht einmal in den Sinn kommt, Terroranschläge auszuführen. Dies ist der einzige Plan, den die PA zurzeit hat: israelische Sicherheit. Die Sicherheit der Besatzung steht vor der Sicherheit der [palästinensischen] Bürger.
Wenn ein Besatzungsjeep in das Flüchtlinslager eindringt, tut die PA überhaupt nichts und falls jemand auf den Jeep schießt, verhaften sie ihn sofort. Zurzeit ist General Dayton [Keith Dayton, U.S. Sicherheitskoordinator für Israel und Palästina] der Präsident des palästinensischen Volkes Sie arbeiten alle für ihn, er ist der Boss. Eine PA existiert nicht länger.
Prognose: Krieg
Zubeidi sagt, dass für ihn das Theater ein Zufluchtsort von der freudlosen politischen Realität, welcher die Palästinenser ausgesetzt sind, ist. „Hier gibt es keine Politik, keine Religion. Ich fühle mich frei hier.“ Gelegentlich spricht er mit Tali Fahima [Israelin, die ein Jahr in einem israelischen Gefängnis verbrachte, weil sie Kontakte zu Zubeidi hatte] und jüdische Freunde kommen, um ihn im Theater zu besuchen. Die Zukunft der Region sieht Zubeidi düster.
Zubeidi: Abu Mazens [Mahmud Abbas] Fehler ist, dass er alles auf die Verhandlungen setzt. Und was passiert wenn die Gespräche scheitern? Was ist dann sein Plan? Ich sage Ihnen, dass wenn es bis Ende 2008 keinen palästinensischen Staat gibt, wird es hier Krieg geben. Nicht gegen Israel, oder zwischen Hamas und Fatah, sondern gegen die PA. Die Bürger werden die PA rausschmeißen. Heute tut die PA, was Dayton und Israel ihr sagen, aber am Ende es Jahres, wenn Israel den Palästinensern keinen Staat gibt, wird die PA herausgeworfen werden. Es wird einen allumfassenden Krieg um die Kontrolle um die Westbank geben.
Das englische Originalinterview “Marching towards total ruin” von Avi Issacharoff erschien am 04. März 2008 in der israelischen Tageszeitung Haaretz.






























Juni 13th, 2008 at 11:46
Der Mann hat was begriffen! Wir müssen endlich aufhören diesen sinnlosen aussichtlosen Kampf zu führen! Warum wir keinen eigenen Staat haben? Das liegt allein an den idiotischen Kämpfen: Hamas gegen Fatah und Terror gegen Israel. Warum soll uns Israel einen Staat geben wenn wir die Israelis jeden Tag attackieren?????
M.Z.
Juni 13th, 2008 at 20:04
@ Mahmoud Zaka,
Sie schreiben, ich zitiere: “Der Mann hat was begriffen! Wir müssen endlich aufhören diesen sinnlosen aussichtlosen Kampf zu führen! Warum wir keinen eigenen Staat haben? Das liegt allein an den idiotischen Kämpfen: Hamas gegen Fatah und Terror gegen Israel. Warum soll uns Israel einen Staat geben wenn wir die Israelis jeden Tag attackieren?????”
Für die, die es nicht verstehen: Hier ist das Zitat zu Ende!
Im Grundsatz gebe ich Ihnen recht, aber mich würde dennoch interessieren, wie Sie persönlich zum Bau und Ausbau der illegalen jüdischen Siedlungen stehen und wie Ihre Einstellung zum Bau der Mauer z.g.T. auf palästinensischem Gebiet ist.
Sind die Demonstrationen z.B. in Bil’In ihrer Meinung nach auch ein “idiotischer Kampf?”
Und was Hamas gegen Fatah angeht: Hamas ist im Gaza, Fatah in den Westbank, und wie schaut es in den Westbank aus?
Ist es richtig, daß Sie die Meinung vertreten, Fatah muss sich die Westbank unterm Stuhl wegziehen lassen?
Wie sieht Ihrer Meinung ein Staat Palästina aus?
Ein Flickenteppich in den Westbank?
Mich wundert ausserdem, dass Sie schreiben, “Warum soll uns Israel einen Staat geben wenn wir die Israelis jeden Tag attackieren?????”
Ist es richtig, dass Sie die Meinung vertreten, dass die israelische Regierung einen Staat Palästina erlauben muss und das die israelische Regierung den Palästinensern einen Staat gibt?
Was ist mit internationalem Recht, was ist mit den UN- Resolutionen?
Auf Ihre Antwort bin ich gespannt!
Juli 15th, 2008 at 22:19
HAT
Juli 16th, 2008 at 15:34
Mit oder ohne Widerstand der für die ethnische Säuberung vorgesehenen, der Palästinenser, würden die Israelis ihre scheibchenweise Vertreibung, mithin die Vollendung von 1948, durchziehen. Die Palästinenser hatten nie eine Chance in diesem von Beginn an ungleichen Kampf. Leichtbewaffnete Milizen gegen eine Atommacht.
Nur dann, wenn Israel militärisch unter Druck geriet, war es zu Konzessionen bereit: 1973 mit dem Rücken an der Wand, nur durch US-amerikanische Hilfe im letzten Moment Ruder rumgerissen. Libanon 1982-2000. Der langanhaltende und erbitterte Widerstand der Hisbollah hat die Besatzer verjagt und 2006, der 2. Libanonkrieg.
Die Botschaft, die Israel seit seiner gewaltsamen Staatsgründung an die Nachbarn sandte war: Wenn wir stärker als ihr sind, nehmen wir uns, was wir wollen, geraten wir unter Druck, geben wir nach. Dazwischen tricksen, tarnen und täuschen wir: So wie die Weltöffentlichkeit und zunächst auch die Palästinenser seit 1993 getäuscht wurden: man tat so, als wolle man Frieden machen und vollendet derweil die Vertreibung und Landnahme.
Israel will keinen Frieden im Nahen Osten, höchstens ein Siegfrieden und die komplette Hegemonie über die Nachbarn.
Juli 17th, 2008 at 19:07
der fühlt sich verraten von seinen eigenen landsleuten (die regierung)
alles scheisse das heisst immer der terror kommt von palestina, das ist nur eine gegenwähr. Jede regierung weist vom wem der terror kommt aber keiner traut sich was zusagen, alles verbrecher.Der ganze Westen ist mit verantwortlich was die juden sich erlauben.
die juden tun immer so als ob die die opfer währen und die medien sind auch daran schuld zeigen nicht die wahrheit.
Ist doch klar dann können die juden machen was die wollen keiner sagt was