Sie werden routinemäßig gefoltert weil sie Steine werfen
von Patrick Moser
Mohammad, 14, warf kaum einen Blick auf den israelischen Armeerichter, als man ihn mit gefesselten Beinen schlürfend in den überfüllten Gerichtsaal führte. Der palästinensische Junge hatte nur Augen für seinen Vater und sprach den traditionellen arabischen Gruß Salaam Aleikum – Frieden sei mit dir. Sieben Minuten später wurde er zu vier Monaten Gefängnis verurteilt.
Der Ankläger sagt, der Junge hätte Steine gegen einen Wachturm und die israelische Trennungsbarriere im besetzten Westjordanland geworfen. Dem Rat seines Anwalts folgend, bekannte sich der Junge schuldig, um zu vermeiden noch mehr Zeit hinter Gittern zu verbringen.
Der Genfer Menschenrechtsgruppe „Schutz für Kinder International“ (DCI) zu Folge wurden am 31. März 324 palästinensische Kinder in israelischen Gefängnissen festgehalten. Mit einer Veruteilungsrate von über 95% hatte Mohammad kaum eine Chance, sagte sein Anwalt Iyad Misk.
„Die israelischen Militärverhandlungen sind eine Schande. Als ein Anwalt, bevorzuge ich nicht an dieser Farce teilzunehmen, aber ich will versuchen den Kindern zu helfen. Für einen Anwalt ist es ein moralisches Dilemma“, sagte Misk außerhalb des Containers im Militärlager Ofer, wo sein junger Mandant verurteilt wurde.
Die Verfahren, durchgeführt auf Hebräisch und übersetzt auf Arabisch, dauern für gewöhnlich nur einige Minuten. Anwälten wird gelegentlich der Zugang zu Dokumenten verweigert, wenn Armeebeamte die Beweise für geheim erklären. Einige der Kinder bekommen nie ein Verfahren, sondern werden ohne Anklage unter „administrativer Anweisung“, welche bis zu sechs Monaten anhalten kann und unbegrenzt erneuert werden kann, gehalten.
„Alles in den Militärgerichten wurden zum Vorteil der Besatzung gestaltet“, sagt Khaled Quzmar, welcher DCIs Rechtsabteilung im Westjordanland koordiniert. Anwälte sagen, dass 50% aller inhaftierten palästinensischen Kinder festgehalten werden weil sie Steine geworfen haben. Die bevorzugten Ziele sind Sicherheitskräfte in Wachtürmen oder gepanzerte Fahrzeuge, sowie Mauern, Stacheldraht und Zäune, welche die freie Bewegung nach Israel und innerhalb des Westjordanlandes verhindert.
Nach einem Vorfall nahe des Flüchtlingslagers Al-Arub , bei dem Anfang des Monats scheinbar Steine geworfen wurden, fuchtelten israelische Soldaten mit ihren Gewehren und schrieen Passanten an, fuhren aber letztendlich weg ohne den Schuldigen zu finden.
Der 15-jährige Shehab beobachte die israelischen Truppen nervös aus einiger Entfernung. „Seit meiner Freilassung, versuche ich Kontakt mit Israelis, mit den Soldaten zu vermeiden“, sagt er.
Letztes Jahr wurde er zu viereinhalb Monaten Gefängnis verurteilt, beschuldigt einen Molotowcocktail gegen einen Wachturm aus Beton geworfen zu haben, aus welchem israelische Einheiten Al-Arub, nahe der Stadt Hebron im Westjordanland, beobachten.
Shehab sagte, dass die Sicherheitskräfte gegen 2 Uhr Morgens bei ihm zuhause auftauchten, ihn fesselten, die Augen verbanden und schlugen, bevor sie ihn zur Befragung in ein Militärlager brachten.
„Sie brachen mehrere meiner Zähne und meine Nase. Sie hielten ein Heizgerät neben mein Gesicht. Sie kniffen mich mit einer Zange in den Bauch und die Brust. Sie traten mich.“ Letztendlich brach er zusammen und unterschrieb ein Geständnis. Er besteht auf seiner Unschuld uns sagt, er sieht nichts Falsches daran, Steine auf Besatzer zu werfen.
Beobachter sagen, dass Verhaftung und Inhaftierung palästinensischer Kinder gegen die Internationale Konvention von Kinderrechten verstößt, welche Israel unterschrieben habe. „Ein Hauptaspekt der Befragung ist der Einsatz von bestimmten Formen der Folter und Misshandlung“, sagt DCI.
Unterdessen fragte Mohammad im Gerichtssaal 5, wo ein Bild der symbolischen Waage der Gerechtigkeit in einer Ecke hängt, respektvoll seinen Vater “jedem in der Familie Salaams auszurichten”, bevor ein israelischer Soldat in abführt, um seine Strafe abzusitzen.
Der englische Originalartikel erschien am 12. April 2008 bei Arab News.
Bild: IMEMC





























