Die gewöhnliche Geschichte von der Hinrichtung Hanis [+Video]
Es war eine dieser Meldung, die kaum Aufmerksamkeit erregt: „Israelische Truppen töten Anführer der Al-Aqsa Brigaden nahe Nablus.“ Hani Al-Qa’bi war nur ein weiterer junger Kämpfer einer palästinensischen Miliz, dessen Leben, wie das von hunderten Anderen, auf der Straße eines palästinensischen Flüchtlingslagers endete.
ISM fuhr an den Ort seines Todes und sprach mit Nachbarn und Angehörigen und entdeckte Hani, den 26-Jährigen, der seine Nachbarn um Vergebung anflehte, kurz bevor sie vor israelischen Soldaten nackt auf der Straße kauern mussten. Hani, den Französisch-Studenten, der seine Waffen niedergelegt hatte und mit knapp einem Dutzend Kugeln hingerichtet wurde.
Es war um ca. zwei Uhr Morgens am 18. April, als knapp zwei Dutzend Fahrzeuge der israelischen Armee in das Flüchtlingslager Balata am Rande der Stadt Nablus eindrangen. Sie fuhren bis ins Zentrum des größten Lagers im Westjordanland und umzingelten die Alte Moschee. Israelische Sondereinheiten begannen Türen aufzubrechen und Häuser zu stürmen, nahe dem, in welchem sie Hani vermuteten.
Hani befand sich im Haus der Familie Al ’Arsi, als Soldaten die Türen des Schlafraumes aufrissen und in Richtung der schlafenden Familie schossen. Schallgranaten wurden zwischen die schlafenden Kinder geworfen, Soldaten drohten mit dem Abriss des Hauses, bis sie die Familie schließlich zwangen das Haus zu verlassen. Alle Familienmitglieder mussten sich nackt ausziehen, selbst die zweieinhalb-jährige Tochter Malak und die alte Großmutter.
Die Männer der Familie, der 59-jährige Vater und sein 26-jähriger Sohn wurden verschleppt. Bis heute weiß die Familie nicht, wo sie festgehalten werden. Für die nächsten drei Stunden verwüsteten die Soldaten das Haus, zerstörten ein Bett, schossen auf Möbel und Kleider.
Zur selben Zeit brach eine weitere Einheit der israelischen Armee das Türschloss zum Haus der Familie Kassim auf. Soldaten schlichen in den Flur, während die Familie schlief. Als ein Bewohner des Hauses Geräusche hörte und im Glauben es handle sich um Diebe auf die Soldaten zustürmte, fesselten sie ihn und drückten ihn zu Boden. Durch den Krach allarmiert, wurden zwei weitere Familienmitglieder auf die Soldaten aufmerksam, worauf die Soldaten ihnen drohten: „wenn ihr etwas sagt, werden wir euch töten.“
Die Soldaten drangen auf das Dach des Hauses vor, um von dort aus das Haus der Familie Al ’Arsi, wo sich Hani aufhielt, unter Beschuss zu nehmen. Weitere Soldaten zerstörten unterdessen Fernseher und Stereoanlage der Familie, schmissen Fenster ein und urinierten über den Boden des Bades. Als einer der Bewohner die Soldaten fragte, warum sie sich so verhielten, antwortete ein Soldat: „Ich kann machen, was ich will.“ Dies war nicht das erste Mal, dass die Familie Kassim Opfer einer solchen Hausbesetzung wurde. Erst vor drei Monaten ereignete sich ein ähnliches Ereignis.
Nachdem die Familie Al-’Arsi ihr Haus verlassen hatte, begab sich Hani freiwillig zum Dach des Hauses. Angehörige der Familie berichteten, dass sich der 26-jährige kurz vor seinem Tod bei der Familie entschuldigte, dass sein Anwesenheit israelische Soldaten in das Haus gebracht hatte. „Vergebt mir, es tut mir leid“, sagte er.
Einige Wochen zuvor legte Hani Al-Qa’bi seine Waffen nieder. Jahrelang befand er sich auf der israelischen Liste der „gesuchten Personen.“ Nun ermöglichte ihn ein Abkommen zwischen palästinensischer Autonomiebehörde und israelischer Armee eine Amnestie. Dafür sollte er drei Monate in einem palästinensischen Gefängnis verbringen. Doch vergangen Monat brach er zusammen mit anderen aus, weil er die Misshandlungen der Wärter nicht länger ertragen wollte.
Augenzeugen berichteten, dass sein Freund Samer gezwungen wurde zuzusehen, wie eine israelischer Soldat eine Granate auf Hani abschoss und den Verwundeten anschließend mit über zehn Schüssen exekutierte. Familienmitglieder hinderten Hanis Mutter sich ihrem toten Sohn zu nähern – sein Körper war zu stark Verstümmelt.
Hani, der junge Anführer einer Miliz, die seit Monaten in Nablus nicht mehr kämpft, befand sich im letzten Jahr seines Französisch-Studiums an der Nabluser Najah-Universität. Er hinterlässt seine Eltern und neun Geschwister. Hunderte Freunde und Verwandte trugen ihn einige Stunden später durch die Straßen von Balata, um ihn zu bestatten.
Ein Reuters-Beitrag zum Tod von Hani Al-Qa’bi:





























