Erinnerungen an ein gelobtes Land
von Mike Marquisee
Es gibt heute eine große jüdische Bevölkerung in Palästina, deren Rechte als Menschen anerkannt werden müssen. Aber warum sollte irgendjemand irgendwo dazu gezwungen werden das „Existenzrecht“ eines bestimmten staatlichen Gebildes anzuerkennen. Was hier verlangt wird, ist eine ideologische Konformität: Unterstützung für das Existenzrecht des jüdischen Staates auf Ewigkeit, ungeachtet der Folgen für Andere (wie für das Wohlbefinden der Juden).
Für Palästinenser ist die Anerkennung von Israels Existenzrecht – im Gegensatz zu der Tatsache seiner Existenz – gleichbedeutend mit einem historischen Siegel der Anerkennung der Nakba. Jene, die sich weigern ein nationales Projekt als legitim zu zertifizieren, welches auf Enteignung und ethnischer Überlegenheit errichtet wurde, werden als „anti-semitisch“ verurteilt oder, wenn sie Juden sind als „Selbsthasser“. Die Beschuldigungen beruhen auf der falschen Verschmelzung von Israel und „den Juden“ – propagiert von Zionisten, welche dies benutzen, um den jüdischen Staat von den Erfordernissen internationaler Standards der Menschenwürde auszuschließen.
Israel ist in einem Sinne „jüdisch“ in dem kein anderer Staat christlich, muslimisch, hinduistisch oder buddhistisch ist. Obwohl diese Religionen in manchen Staaten bevorteilt werden, beansprucht keiner dieser Staaten, der weltweit einzige Repräsentant eines Glaubens zu sein. Keiner gewährt Staatsbürgerschaft ausschließlich an Menschen aufgrund ihrer Religion (ungeachtet dem Geburts- oder Wohnort). Einen jüdischen Staat in Palästina aufrechtzuerhalten, bedeutet eine beträchtliche Mehrheitsbevölkerung mit privilegiertem Zugang zu Land, Arbeit und Bürgerrechten aufrecht zu erhalten.
Die Gründer Israels waren säkular; sie betrachteten das Jüdischsein eher als nationale denn als religiöse Identität. Viele waren Atheisten und verachteten die rabbinische Kultur. Wie Muhammad Ali Jinnah, der säkulare muslimische Gründer Pakistans, wären sie schockiert und bestützt, wenn sie den Einfluss obskurer religiöser Sekten in dem Gemeinwesen, welches sie errichtet hatten, sehen könnten.
Von Anfang an war die Vorstellung, dass der Staat Israel sowohl „jüdisch“ als auch „demokratisch“ sein könnte nicht aufrecht zu erhalten, was so auch von vielen Juden der Diaspora erkannt wurde. Es ist wichtig sich in Erinnerung zu rufen, dass der Anti-Zionismus eine jüdische Ideologie war –lange bevor es irgendetwas Anderes war. Aber im Sog des Holocaustes und mit der Herausbildung von Großmachtpolitik im Nahen-Osten, wurde der Zionismus dominierend in der Diaspora. Und die Wahrheit über die Nakba wurde verschleiert durch die Mythen von Israels „David versus Goliath“-Überlebenskampf gegen irrationale feindliche Araber.
Aber was ist mit der Not der jüdischen Flüchtlinge im Nachkriegseuropa? Was wäre ohne Israel aus ihnen geworden? Die Antwort ist, sie hätten dieselbe Bandbreite von Schicksalen erlitten, wie die restlichen Flüchtlinge Europas, deren Teil sie waren. Die Wurzeln diese Krise liegen in der Weigerung der Vereinigten Staaten, Großbritanniens und anderer Länder, Vertriebenen in großer Zahl Zutritt zu gewähren. Das Problem hätte nicht gelöst werden können, indem man jeder Gruppe ihren eigenen Staat zuweist, was unweigerlich auf Kosten eines anderen Volkes geschehen musste. Das Recht auf Zuflucht ist ein universelles Recht (und eine universelle Notwendigkeit), aber anstatt diese kollektive Verantwortung zu schultern, luden es die Westmächte mit Unterstützung der Sowjetunion auf Palästina ab und verlangten, dass ein Volk, welches keinerlei Verantwortung für den Holocaust trägt, Platz für dessen Opfer macht.
Viele Zionisten, die die Nakba anerkennen, charakterisieren sie als tragisch aber „unumkehrbar.“ Die Nakba war jedoch keine isolierte Episode, es war ein Krampf in einem Prozess, der bis heute anhält. Der jüdische Staat bleibt unvereinbar mit palästinensischen Rechten und bedroht die blanke Existenz der Palästinenser, wie es die momentane Belagerung Gazas und die anhaltenden Angriffe auf die palästinensische Gesellschaft im Westjordanland durch den Bau der Apartheidsmauer und die Erweiterung jüdischer Siedlungen zeigen.
Es ist offensichtlicher denn je, dass der Zionismus keine bedeutsame Form palästinensischer Unabhängigkeit tolerieren wird. Die Anforderungen der Aufrechterhaltung des jüdischen Staates werden dies nicht erlauben. In Israel sind expansionistische Ansprüche, welche Juden zu den rechtmäßigen Besitzern des gesamten Westjordanlandes und darüber hinaus erklären, Allgemeingut, genauso wie Aufrufe zum permanenten Transfer der übriggebliebenen palästinensischen Bevölkerung. Einige achtbare Stimmen sprechen offen über das Erfordernis, die unabgeschlossene Arbeit von 1948 zu beenden, um so das Überleben des jüdischen Staates sicherzustellen.
Wie immer ist vieles davon in biblische Quellen gehüllt. Das Paradoxon des Zionismus war immer das einer säkularer Ideologie, welche in einem religiöses Diskurs begründet liegt. Im Kern ist es eine obskure Beanspruchung historischen Territoriums. Tatsächlich steht in der hebräischen Bibel Vieles, welches die zionisitischen Ambitionen unterstützt. Aber es gibt auch einen andere Strang- einer der vor der Gefahr der Verheiratung von Religion und Staat warnt. Ins Besondere stritt der Prophet Amos, ein Verfechter der Universalität ethischer Standards, die Exklusivität zionistischer Ansprüche auf Palästina vehement ab: „Für mich, Oh Israeliten, seid ihr wie die Kuschiten (Äthiopier) - sprach der Herr. Wohl habe ich Israel aus Ägypten heraufgeführt, aber ebenso die Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir.“
Der englischsprachige Originalartikel schien am 1. Juni 08 im Londoner Magazin “New Humanist.” Eine Online-Version findet sich im israelischen Occupation-Magazine.






























Juni 2nd, 2008 at 16:48
Eine hervorragende Antwort auch auf diesen Blödsinn findet der interessierte Mensch hier: http://linkpin.de/qskfd
Juni 2nd, 2008 at 22:04
Ein sehr interessanter Artikel, der zumindest in Ansätzen den Widerstand des authentischen und orthodox-rabbinischen Judentums gegen die Ursprünge des National-Zionismus anreißt. Als Ergänzung für an dieser Thematik interessierte Menschen möchte ich auf folgende Bücher in englischer Sprache hinweisen:
1) In the Footsteps of the Flock
2) A Threat from Within
Beide über folgende Webseite beziehbar:
http://www.jewsagainstzionism.com/bookstore/store.cfm?catcode=1&catname=English Books
Juni 10th, 2008 at 22:51
@# 1 I love Zahal
wetten dort würde ein link nach hier sofort gelöscht?