Friedlicher Widerstand in der Westbank
In verschiedenen Orten der besetzten Westbank demonstrierten am Freitag hunderte Menschen gegen Siedlungs- und Mauerbau und gedachten der von Israel vor knapp zwei Wochen getöteten Menschenrechtsaktivisten. Die israelische Armee reagierte mit massiver Gewalt.
Nil’in: Freitagsprotest und Siedler-Gegendemonstration
Nil’in setzt seine Freitagsdemonstrationen gegen die Apartheidmauer fort,ungeachet einer militärischen Order, die das Dorf seit März freitags zur geschlossenen militärischen Zone erklärte.
In Solidarität mit der Mavi Marmara und der Free Gaza Bewegung, die beim Vesuch, die Blockade Gazas zu durchbrechen, von der israelischen Armee brutal überfallen wurden, trugen die Teilnehmer türkische Fahnen und Fahnen der Herkunftsländer von Mitgliedern der Freedom Flotilla.
Soldaten der Besatzungsarmee griffen die Protestteilnehmer mit Tränengas und gummiummantelten Stahlgeschossen an, während einige Siedler der illegalen israelischen Siedlung Hashmun’im eine Gegendemonstration durchführten: Auf Bannern und mit Slogans drückten sie ihre Unterstützung für die israelische Besatzungsarmee(IOA) aus und riefen den Palästinensern zu, nach Jordanien zu ziehen.
Die IOA saturierte die Gegend mit so viel Tränengas, dass einige Demonstranten wegen akuter Atemnot vor Ort medizinische Hilfe benötigten.
Al-Ma’sara: Einschüchterung und Verhaftung von Aktivisten
In Al-Ma’sara beginnen die Freitagsdemonstrationen vor der Dorfschule und führen zur Siedlerstrasse 60, die das Dorf von seinem Land trennt und nur von israelischen Siedlern benutzt werden darf.
Schwer bewaffnete Soldaten in 11 Armeejeeps blockierten auch heute den Weg des Demonstrationszuges und fingen an, die Teilnehmer, darunter auch internationale und israelische Aktivisten zu verprügeln. Drei Militärfahrzeuge verfolgten die Demonstranten ins Dorf und versuchten, einige Teilnehmer zu verhaften.
Die Einschüchterungskampagne gegen die Organisatoren des friedlichen Widerstandes gegen die Mauer wird auch in Al-Ma’sara fortgesetzt. Während der heutigen Demonstration wurde Hasan Brijieh von Al-Ma’saras Bürgerkomitee gegen die Mauer und illegalen Siedlungen verhaftet und zu einem unbekannten Aufenthaltsort gebracht; vor einem Jahr wurde Herr Brijieh schon einmal wegen seiner Tätigkeit im Bürgerkomitee festgenommen.
Zum achten Mal in diesem Jahr erschien die IOF am Donnerstag, den 10. Juni, um Mitternacht im Haus von Muhammad Brijiyeh, einem Mitglied der Organisation „Stop the Wall“ und Koordinator der Mauerproteste im Bezirk von Betlehem. Eine halbe Stunde lang besetzten die Soldaten das Haus und drohten ihm mit Konsequenzen, sollte er seine Arbeit als Aktivist fortsetzen. Bei ihm war Omar Ala ad-Din, Mitglied von „Stop the Wall“, der erst vor kurzem nach einwöchiger Haft und schwerer Misshandlung in verschiedenen Haftzentren freigelassen wurde.
Wadi Rahal: Siedler fordern Ende der Proteste gegen die Mauer
Seit einigen Monaten ist das Dorf Wadi Rahal bei Betlehem Teil einer Reihe von Dörfern in der Westbank, die sich nach dem Vorbild von Bil’in an der gewaltfreien Widerstandsbewegung gegen die Apartheidsmauer beteiligen.
Auf Arabisch und Englisch wandten sich Mitglieder des Bürgerkomitees Wadi Rahal an die Teilnehmer der Freitagsdemonstration und an die schwerbewaffneten israelischen Soldaten, die den Demonstrationszug blockierten, und erklärten, dass die Unterdrückung von Protesten nur dazu führe, dass die Palästinenser desto entschlossener gegen die illegale Apartheidsmauer und die miltärische Besatzung kämpfen würden.
Al-Haj Abu-Muhammad, ein 75-jähriger palästinensischer Aktivist, gab einen persönlichen Bericht über die Zeit der Nakbah, der Vertreibung der Palästineser 1948, der Nakseh, dem Beginn der Besatzung der Westbank und Gazas 1967, und die Menschenrechtsverletzungen unter der israelischen Besatzung.
In Reaktion auf die Demonstration kamen Siedler von Efrata, die auf dem Land des Dorfes leben, aus ihren Häusern und forderten die IOF auf, den Protest zu beenden und die Demonstranten auf weitere Distanz zu halten.
Text: Martina Lauer (ISM) / Bild: IMEMC











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