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Bereiten US-Kriegsschiffe eine Konfrontation mit der iranischen Hilfsflotille für Gaza vor?

24 Juni 2010 2 Comments

Holt die Anker ein! Die US-Navy schickt einen Flugzeugträger und fast 12 Kriegsschiffe durch den Suezkanal Richtung Rotes Meer, so die arabischsprachige britische Tageszeitung Al-Quds Al-Arabi. Sie informiert weiter, dass die Schiffe Infanterietruppen, gepanzerte Fahrzeuge und Munition mit sich an Bord führen.

Bainbridge in Suez Bereiten US Kriegsschiffe eine Konfrontation mit der iranischen Hilfsflotille für Gaza vor?

von Ira Chernus

Besonders in Israel hat man diese Informationen ernst genommen, zwei große Tageszeitungen haben der Sache sogar eine Titelseite gewidmet. Möglicherweise liegt dies auch daran, dass – wie Augenzeugen der Kanaldurchquerung berichten, ein israelisches Schiff die US-Flotte begleitet.

Press TV aus Iran erklärte, dass das Verteidigungministerium die Fahrt der US-Schiffe bestätigte. Weder die USA noch die israelische Regierung haben irgendeine Aussage über das Ziel oder die Absicht der Flotte gemacht und somit können wir nur spekulieren.

Ist es reiner Zufall, dass dies genau in dem Moment stattfindet, indem sich Al-Jazeera zufolge “in der nächsten Woche zwei ranische Schiffe auf den Weg nach Gaza machen,” die vom Iranischen roten Halbmond finanziert werden und Nahrunf, Medizin und Kleidung geladen haben? Und zu einem Zeitpunkt, in dem der Iran versprochen hat, dass der ersten Flotille weitere Hilfsschiffe folgen werden.

Als man zum ersten Mal von der iranischen Flotilla sprach, sagte der Sprecher des amerikanischen Außenministeriums Philip Crowly dazu: “Ich glaube nicht, dass die Absichten des Irans gegenüber Gaza gutartig sind.” Seither verstummten die USA.

Mark Hosenball von Newsweek.com sagte, er habe mit amerikanischen und europäischen Beamten gesprochen und sie waren “überraschend gelassen” angesichts der iranischen Herausforderung die Blockade von Gaza zu brechen. Sie sagten zu ihm: “Es scheint in Wirklichkeit so, als wenn Teheran momentan einen rethorischen Rückmarsch in Bezug auf seine Drohungen gemacht hätte” mit dem Hinweis, dass die Marine des Irans der schwächste Teil der Streitkräfte sei.

Aber wenn die US-Funktionäre so gelassen sind, wieso verbrauchen sie ein Vermögen (den es kostet ein Vermögen), eine ganze Kriegsflotte in Bewegung zu setzen, einschliesslich Flugzeugträger im Roten Meer und sogar noch weiter bis zum Persischen Golf – wohin auch nukleare  israelische U-Boote auf dem Weg sind?

Ägypten kontrolliert den Kanal und wird eine zentrale Rollen in diesem Drama spielen. Die ägyptischen Truppen bewachten den Kanal, der für den Rest des Verkehrs, trotz der Kritik der ägyptischen Oppositionsparteien,  geschlossen blieb, während die US-Flotte durch fuhr.

Es ist noch unklar, wie die Ägypter den iranischen Hilfsschiffen gegenübertreten werden. Diese Schiffe planen, durch den Kanal zu fahren und in Ufernähe zu bleiben, damit sie vom ägyptischen Gewässer aus zur Küste von Gaza gelangen, welche Israel als sein Hoheitsgebiet beansprucht.

Radio Israel berichtete, dass Kairo die israelische Forderung die iranischen Schiffe zu blockieren mit dem Verweis darauf abgelehnt, dass nach internationalem Recht der Kanal für alle Schiffe frei befahrbar zu sein hat. Allerdings könnten die Ägypter aug Grund technischer Gründe den Iranern die Fahrt für längere Zeit verzögern.

Die Iranischen Funtionäre haben in einem Bericht abgestritten, dass ihre Seestreitkräfte die Schiffe eskortieren. Hosenball sagte: “Wenn aber die iranischen Schiffe das Mittelmeer erreichen, kann keiner mehr mit Sicherheit sagen, was passieren wird.” Wir können jedoch sicher sein, dass ein sich Gaza näherndes iranisches Schiff zur einer größeren Krise sowohl für die Regierung von Netanyahu in Israel als auch für die Obama-Regierung werden wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die US-Regierung hofft, dass ihre Kriegsflotte, begleitet von einem symbolischen israelischen Schiff, dieser Krise entgehen wird.

Obwohl die Gefahr einer gewaltsamen Konfrontation sehr real erscheint, entfaltet sich dieses Drama weitgehend um symbolische Erwägungen. Ein europäischer Funktionär sagte zu Hosenball, dass es sehr wohl möglich sei, dass Ägypten die Durchfahrt der Iraner hinauszögern wird, um angesicht der Bemühungen der Türkei und Brasiliens um Verhandlungen einer nuklearen Vereinbarung mit dem Iran, wieder an Einfluss zu gewinnen. Es gibt aber auch eine Sichtweise im Iran, dass die eigene Regierung Schiffe sendet, um seinem Einfluss in der Regierung gegenüber einer erstarkenden Türkei wieder Geltung zu verschaffen.

Das Auftauchen der US-Navy scheint ebenfalls mit symbolischen Wert beladen zu sein. Seit Teddy Roosevelt die Große Weiße Flotte rund um die Welt geschickt hat, verwendet die USA diese Art von Überlegenheitsdemonstrationen, um mögliche Konkurrenten einzuschüchtern.  Das Zeichen für die Führer des Irans wird unverkennbar sein. Sollte sich das Dazustoßen eines israelischen Kriegsschiffes bestätigen, wird diessich die symbolische Botschaft noch vertiefen.

Sie wird auch der Netanjahu-Regierung sagen, dass gleich der Konzessionen die die Vereinigten Staaten gegenüber Palästina machen werden, die israelische Militärallianz bzgl. des Iran betändig ist. Für Washington könnte die zugrunde liegende Botschaft folgende sein: Somit gibt es für Netanjahu keine Notwendigkeit überhaupt über eine unilaterale Aktion Israels gegen den Iran nachzudenken.

Dieser Symbolismus, der die Politik ins Reich der Kultur und der Psychologie transportiert, ist für die Verwantwortlichen der Politik wichtiger als für Journalisten und Experten, die sich in der Regel darauf beschränken, “reale” Analysen der Fakten und “Realpolitik” anzufertigen. Wenn die Massenmedien der USA irgendeine Information über die Flotte, die sich auf dem Weg zum Roten Meer befindet, veröffentlichen, werden sie mit Sicherheit darüber berichten, als ginge es um eine stragegische Maßnahme gegen eine Macht, die die Interessen der USA in Gefahr bringt. Und in Israel wird es als willkommener Widerstand gegen eine Nation gesehen werden, die die Existenz des Landes bedroht. Aber warum sollten die US-Amerikaner und Israelis diesen schrecklichen Erzählungen glauben schenken, wenn der Iran keine aggressiven Handlung gegen irgendjemanden ausgeführt hat.

Es war eine willkomene Überaschung, als Christian Science Monitor einen Artikel seines Reporters in Tel Aviv, Scott Peterson unter dem Titel “Leidet Israel unter Iranophobie?” veröffentlichte. Wahrscheinlich war es reiner Zufall, dass dieser Artikel am gleichen Tag erschien, als in den Nachrichten über die US-Kriegsflotte informiert wurde – jedoch ein überaus vielsagender Zufall.

Peterson schrieb nur über die Angst Israels, die laut dem israelischen Akademiker und Autor von “Iranofobia”: die Logik einer israelischen Obession”, Haggai Ram “extrem unvernünftig und übertrieben unausgeglichen” sei. Ram fügte hinzu: “Es gibt in Wirklichkeit keine kritische Debatte in dieser Hinsicht”. Jeder, der es daran zweifelt, den Iran fürchten zu müssen, “verwandelt sich sofort in einen dieser seltsamen selbstzerstörerischen Juden, die sich selbst hassen und als fünfte Kolonne gesehen werden.”

Trotz der Aussage des Verteidigungsminister Israels, Ehud Barak vor zwei Monaten, dass der Iran “ keine wahre Existenzbedrohung für Israel ist”, fügte er hinzu, dass der Iran mit Atomwaffen dennoch eine solche Bedrohung darstelle.

But according to Peterson’s article, Israeli analysts see the Iranophobia rooted in memories of the past, not forecasts of the future. The prevailing Israeli mindset is that “we have no other choice, they want to destroy us,” according to scholar Reuven Pedatzur. “It’s a cultural issue, based on the Holocaust, that everybody wants to destroy the Jewish people.” This is the narrative that Netanyahu has used so incessantly, and apparently effectively, to hold on to political power.

Petersons Artikel zufolge sehen israelischen Analysten die Wurzeln der Iranophobie in Erinnerungen an die Vergangenheit und nicht in Zukunftsprognosen verwurzelt.. Die vorherrschende israelische Einstellung ist dem Wissenschaftler Reuven Pedatzur zufolge: “Wir haben keine andere Wahl, die wollen uns zerstören”. “Es ist ein kulturelles Problem und beruht auf dem Holocaust, dass jeder das jüdische Volk vernichten will.” Dies ist auch die Geschichte, die Netanyahu unentwegt angewendet hat – offensichtlich effektiv – um an der politischen Macht zu bleiben.

Es ist kein Geheimnis in Israel. “Die israelischen Analysten schreiben oft, dass der jüdische Staat einen Außenfeind benötigt”, so erklärte Petersen, “ um die anhaltende Unterdrückung der Palästinenser sowie den größten Verteidigungshaushalt pro Kopf im Nahen Osten zu rechtfertigen”.

Die Idee, dass Israel durch eine kulturpolitsche Geschichte angekurbelt wird und nicht durch realistische Sicherheitsbedürfnisse, wird selten in den Massenmedien in den USA erwähnt. Gelegentliche Artikel, so wie jener von Peterson oder Stellungnahmen von Henry Siegman in der New York Times, die auf die krankhafte Angst der Israelis hinweisen, sind ausserordentlich selten. Aber zumindest sind sie erschienen.

Wo finden wir gleichwärtigen Analysen in den US-Massenmedien, in denen auf die Angst der USA vor dem Iran und dessen Atomwaffen hingewiesen wird? Eine Iranophobie und Pathologie, hervorgerufen durch symbolische Kulturgeschichten und die Notwendigkeit eines Feines anstatt realistische Einschätzungen der Realität? Wir haben einschließlich alternativer Medien selten Stimmen gehört, die die Pathologie der USA hinsichtlich dem Iran analysieren. Ich habe so was in keinem Mainstream-Medium bisher vorgefunden.

Im Moment wo die größte militärische Weltmacht einen Flugzeugträger und fast ein dutzend Kriegsschiffe entsendet, um zwei Frachtschiffe mit Ernährung, Medizin und Kleidung für Zivilbevölkerung, die verzweifelt belagert werden, abzufangen, ist wahrhaftig etwas nicht in Ordnung.

Die Anti-Iran-Politik wird solange andauern, bis genügend US-Amerikaner erkennen, dass es pathologisch ist. Wenn unsere Massenmedien uns helfen, diese Krankheit in Israel zu erkennen, können wir vielleicht auch beginnen, diese in uns selbst zu erkennen. Dann können wir auch diese “besondere Beziehung” zwischen den USA und Israel sehen, die sich deutlich von einer gemeinsam geteilten Bedrohungsgeschichte, Angst und Opferrolle ernährt.

Und so können wir auch sehen, wie die Flotte der US-Navy in Richtung Rotes Meer nichts anderes ist als ein symbolisches Drama, die sich aus dieser gemeinsam geteilte Geschichte inszeniert. Die Gefahr ist, dass symbolische Drama allzu oft in sehr realem Blutvergießen enden.

Der englische Originalartikel erschien am 21. Juni 2010 bei Alternet.

Übersetzung: Ingrid Sporn / Bild: Naval Historical Center

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2 Kommentare »

  • Presseschau zum Wochenende « Meryems Welt said:

    [...] Holt die Anker ein! Die US-Navy schickt einen Flugzeugträger und fast 12 Kriegsschiffe durch den Suezkanal Richtung Rotes Meer, so die arabischsprachige britische Tageszeitung Al-Quds Al-Arabi. Sie informiert weiter, dass die Schiffe Infanterietruppen, gepanzerte Fahrzeuge und Munition mit sich an Bord führen. weiter [...]

  • Internationale Ergänzung zur Bestandsaufnahme (XIII) « Der AmSeL-Gedanke Plus = Gemeinschaft said:

    [...] ISM Deutschland haben wir noch eine weitere, irgendwie „interessant“ klingende und in Punkto vermutetem „Symbolismus“ auch gar nicht so… hinsichtlich der Bestimmung der US-amerikanischen Flotte gefunden, die uns aber trotzdem etwas [...]

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