Der Kapitän der Mavi Marmara meldet sich zu Wort
Der Kapitän des Schiffes Mavi Marmara, Mahmut Tural, der den israelischen Angriffen ausgestzt war, meldet sich nun in einem Interview mit der türkischen humanitären Organisation IHH zu Wort.
Tural sagte, dass Israel sie nicht gewarnt hätte, bevor sie angegriffen wurden. Er berichtete, während der ganzen Fahrt nicht auf Hoheitsgewässer Israels gewesen zu sein. “Nur Israel zwang uns, auf ihre Hoheitsgewässer zu fahren, um uns als schuldig vorzuführen. Ich habe das nicht zugelassen, indem ich die Route änderte.”
Weiter bemerkte er, dass es viele Wege gegeben hätte, die Schiffe an den Hafen der Ashdod zu bringen. Doch Israel hätte die letzte Lösung gewählt und als Ergebnis seien viele Menschen gestorben.
Hatten Sie so einen Angriff erwartet?
Als wir uns auf den Weg machten, hatten wir mit allem gerechnet. Aber nicht, dass Israel auf internationalen Gewässern und auf die Weise angreifen würde. Die Intervention begann um 04.30 Uhr und um uns herum waren bewaffnete Soldaten. Auch auf das obere Deck des Schiffes wurden Soldaten von Hubschraubern heruntergelassen. Bevor sie auf das Schiff herunterkamen, warfen sie mit Gasgranaten und begannen zu schießen. Der blutige Angriff auf das Oberdeck, auf dem sich nur unbewaffnete Zivilisten befanden, und das Feuer der Hubschrauber hat sehr viel Menschenleben gekostet. So wie jeder Mensch auf einen Angriff reagieren würde, haben auch die Passagiere auf dem Schiff lediglich versucht, sich zu verteidigen.
Gab es auf dem Schiff Widerstand?
Die Behauptungen, das Feuer sei aufgrund des Widerstand eröffnet wurden, ist falsch. Schon beim ersten Herunterlassen der Soldaten kamen Berichte über etliche Verletzte. Es gelang, den ersten drei israelischen Soldaten ihre Waffen zu entwenden. Und trotzdem wurden diese Waffen nicht benutzt sondern ins Meer geworfen.
Außerdem konnte selbst die israelische Regierung nicht behaupten, dass einer ihrer Soldaten mit Waffen verletzt worden waren.
Hätte Israel nicht andere Wege nutzen können, um die Mavi Marmara an den Hafen der Ashdod zu bringen?
Wenn man ein ziviles Schiff anhalten möchte, hat man viele Möglichkeiten dazu. Aber von oben aus das Feuer zu eröffnen, ist nicht damit zu erklären, man hätte das Schiff nur anhalten wollen. Hier liegt eine andere Absicht vor.
Wie haben die Soldaten euch behandelt, als man euch festgenommen hat?
Als die Soldaten auf der Kommandobrücke waren, haben sie jedes Personal zu Boden geworfen und gefesselt. Als Schiffskapitän habe ich mich geweigert und nach einer kurzen Diskussion haben sich mich sitzen lassen. Sie haben mich nicht gefesselt aber gefordert, dass die Maschinen gestoppt werden.
Bevor sie das Außendeck unter voller Kontrolle hatten, sind sie nicht in das Schiff hineingegangen. Wir hatten Funkkontakt nach unten. Sie baten dringend um medizinische Hilfe. Ich habe den Kommandanten das mehrmals ausgerichtet. Sie schalteten die Maschinen wieder ein und wiederholten, solange wir die Route nicht um 130 Grad, also in Richtung Ashdod änderten, käme medizinische Hilfe nicht in Frage. Wir hatten auf unserem Schiff jegliches medizinische Hilfsmittel. Doch man hinderte uns daran sie benutzen und unere Ärzte daran, die Verletzten zu behandeln.
Was haben Sie als Kapitän nach diesem Vorgang unternommen?
Durch den Angriff und durch Untersuchungen waren ein paar Maschinen beschädigt. Da wir auf internationalen Gewässern waren, verließen wir uns auf Hilfe und gingen sehr langsam an die Reparatur der Maschinen heran.
Während die Reparaturen liefen, wollte ich die Verletzten sehen. Man erlaubte es mir zwar, aber forderte dann von mir mit der Ausrede für eine Untersuchung, den Oberteil meiner Uniforms auszuziehen. Als ich das tat, gingen sie mit Waffen auf mich zu, fesselten mich und brachten mich zu den Passagieren. In dem Augenblick wurden die Passagiere ebenfalls gefesselt und auf Knien gezwungen zu warten. Das haben sie stundenlang so weitergeführt, um uns psychologischen Druck auszusetzen.
Was haben Sie während Ihrer Festnahme in Israel erlebt?
Am Abend um 20.30 Uhr kamen wir an den Hafen Ashdod an. Wir gingen an den Händen gefesselt vom Schiff. Es fand als erstes eine generelle Untersuchung statt und dann wurde ich zum Verhör in einem gesonderten Bereich gebracht. Da ich einer der ersten war, die vom Schiff gingen, weiß ich nicht, was die anderen Passagiere erlebt haben. Bevor ich jedoch zur Bewachung gebracht wurde, musste ich 4-5 Stunden in einem Wagen warten. Bis ich zur Rückkehr am Flughafen war, hat man mich, außer mit den Israelis, die mich befragten haben, mit niemanden Kontakt aufnehmen lassen. Dabei weiß ich nicht einmal, warum ich verhört wurde.
Sie suchten nach einem Schuldigen, wollten besonders Namen hören. Im Verhörraum habe ich keine Kameras gesehen. Man soll aber versteckte benutzt haben.
Sie wollten von Ihnen Namen?
Sie suchten eher Schuldige von der IHH und fragten regelmäßig, wer das alles organisiert hätte. Als ich ihnen sagte, dass die IHH keine Geheim- sondern eine Hilfsorganisation sei und sie auf ihrer Internetseite mehr Informationen darüber bekommen würden als ich wüsste, änderten sich die Fragen.
Israel hat die Aufnahme Ihres Verhöres verbreitet. Welchen Zweck kann dies haben?
Die Aufnahmen, die Israel in den TV’s gezeigt hat, waren die des letzten Verhörs. Dort hatte man mir vielmals dieselben Fragen gestellt. Aber daduch, dass man in den TV’s nur ausgewählte Antworten von mir zeigte, aber nicht das Ende des Verhörs, entstand ein verzerrtes Bild. Hätten sie die ganze Aufnahme gezeigt, würde man die Wahrheit erfahren. So haben sie versucht, die Menschen in die Irre zu führen.
Wie oft man auch versucht, Ausreden für diese Aktion zu finden; es gibt keinen Grund diese zurechtfertigen.
Übersetzung: Fatma Derman (ISM)










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